Leserfrage: Das Schreiben, dein Blog und du Mach mit!

Anfangsprobleme überwinden - Ein Blick in die Vergangenheit

5. Februar 2010; Kategorie: Handlung und Plot

In der Vergangenheit

Diesen Ratschlag hab ich jetzt schon bestimmt ein gutes Dutzend Mal gegeben, deshalb hätte ich schwören können, dass er auch schon hier im Blog steht, tut er offenbar nicht, also reiche ich ihn hiermit feierlich nach.

Dieser Ratschlag hilft übrigens auch dann, wenn du nicht so ganz genau weißt, wo, wann und wie du jetzt eigentlich mit deiner Geschichte genau anfangen sollst.

“Ich möchte einen Roman schreiben”

Mit diesem Gedanken fangen wir alle irgendwann einmal an. Viele von uns haben diese “eine große” Geschichte im Kopf, deren Idee meistens so toll und großartig und überwältigend ist, dass wir uns häufig jahrelang nicht an die Umsetzung herantrauen.

Das soll jetzt gar keine Übertreibung sein, oder irgendwie abfällig klingen, Fakt ist, dass ich selbst auch so eine Idee hatte. Sie war/ist meine Lieblingsidee, mein heiliger Gral, an der ich mit all meinem Herzblut hing/hänge (das ist die Geschichte, die ich gerade aufschreibe: 116.000 Wörter und steigend ^^).

Es ist auch gar nicht wichtig, ob die Idee wirklich so toll ist, wie wir glauben, es ist nur wichtig, dass sie uns so unglaublich berauschend vorkommt.

Jetzt trau ich mich aber wirklich!

Normalerweise ist es dann nach ein paar Monaten, spätestens nach ein paar Jahren soweit, dass wir uns denken: “Jetzt ist es aber gut, jetzt schreibe ich diese Geschichte endlich auf!

Wir setzen uns auch hin, fangen an zu überlegen, machen Mindmaps, erzeugen Charakterbögen noch und nöcher, plotten grob oder bis ins kleinste Detail und dann, dann kommt die große Wahrheit, dann kommt …

… der erste Satz …

… Dann sitzen wir da, hocken vor unserem Computer, starren auf unseren Bildschirm, unsere Finger schweben über den Tasten, die ganze Geschichte läuft in rasanter Geschwindigkeit vor unserem geistigen Auge ab, in Dolby Surround und High Definition - aber - wir können einfach nicht anfangen. Selbstzweifel packen uns:

  • Was, wenn ich nicht gut genug bin?
  • Was, wenn es schlecht wird?
  • Was, wenn ich zu schlecht bin, um es so aufzuschreiben, wie es sein müsste - wie es in meinem Kopf bereits existiert?

So oder so ähnliche Fragen breiten sich in unseren Köpfen aus, blähen sich zur zehnfachen Größe auf und verstopfen bald jede noch so kleine, noch so große kreative Pore.

Wir legen das Projekt zur Seite, mit den Gedanken:

Vielleicht später, vielleicht wenn ich besser bin, erst einmal will ich etwas anderes schreiben, etwas, wo die Idee nicht ganz so gut ist, um besser zu werden, um zu üben und dann, dann fange ich an, ganz sicher, dann fange ich mit diesem wunderschönen Projekt an.”

Das Problem:

Auch wenn wir das nächste Mal zu unserem Projekt zurückkehren, auch wenn wir wieder von vorne beginnen, alles, mit unseren neu erworbenen Erfahrungen von vorne planen, plotten, inszenieren, besser machen, kommen wir irgendwann zurück zu diesem einen, einzigen, schrecklichen ersten Satz.

Vielleicht haben wir Glück, vielleicht schreiben wir ihn dieses Mal sogar hin, aber nach einer Seite, oder zwei, “merken” wir (oder bilden uns zumindest ein), dass wir es einfach nicht hinbekommen, dass es viel zu schlecht ist, viel zu ordinär, dass es die Tiefe der Geschichte nicht im Mindesten erfasst, dass es plump und grob und abgestanden ist, dass wir erst viel besser werden müssen, bevor wir diese - unsere eine, wahre, große - Geschichte, zu Papier bringen können.

Und alles fängt von vorne an.

Vier Lösungsansätze:

Dem Problem kannst du mit vielen verschiedenen Mitteln auf den Leib rücken.

1. Mit dem zweiten Satz anfangen

Wenn das Problem wirklich nur der erste Satz ist, dann lass ihn einfach aus und halt dich an die Regel: Klappe, schreib jetzt!

2. Üben

Es ist wirklich wahr, die erste Geschichte, die du schreibst, wird höchstwahrscheinlich mist. Deshalb kannst du dafür ruhig eine “nicht ganz so tolle Geschichte” verbraten. Nutze zum Beispiel den Trainingsplan für Schriftsteller, um zu üben. Wichtig ist, dass du eine große Geschichte einfach einmal zu Ende schreibst, um dir selbst zu beweisen, dass du es kannst.

Danach sinkt die Hemmschwelle, es noch einmal zu tun, erheblich. Um es das erste Mal zu schaffen, kannst du zum Beispiel den NaNoWriMo benutzen, oder einen der Word-Wars, die monatlich in der Schreibwerkstatt stattfinden.

3. Probieren

Fang einfach an und schreib so schlecht, wie es eben wird und nimm dir vor es einfach anschließend, durch Korrekturen wettzumachen.

4. Vorher anfangen

Und um diesen Punkt soll es in diesem Artikel eigentlich gehen: Fang nicht im “Jetzt” der Geschichte an, fang vorher an.

Was heißt vorher?

Vorher, heißt zu einem Zeitpunkt, der vor der eigentlichen Idee deiner Geschichte spielt.

Du hast dir eine Geschichte ausgedacht, eine Abfolge von Handlungen, aber wann immer diese auch spielen, es gibt immer ein “Vorher“. Dein Protagonist war mal ein Kind, der Konzern wurde irgendwann gegründet, es gibt ein Leben, Lieben, Leiden auch vor den Ereignissen, um die es sich in deiner Geschichte dreht, ein Geschehen, das eigentlich erst zu der aktuellen Situation geführt hat.

Und wenn wir mal ganz ehrlich sind, diese Ereignisse sind doch eigentlich auch sehr - zumindest aber einigermaßen - interessant, oder?

Was soll das bringen?

Dreierlei.

Erstens, ist es nicht die eigentliche Geschichte, das heißt, du musst dir keine Sorgen machen, ob es schlecht wird, es ist völlig dir überlassen, ob du diesen Text überhaupt jemals irgendwem zum Lesen gibst. Das heißt sämtliche Hürden, die du eben noch gesehen hast, lösen sich buchstäblich in Luft auf.

Zweitens, du fängst an zu schreiben und du tust es tatsächlich für dein aktuelles Projekt, dadurch sinkt die Hemmschwelle, denn obwohl du noch nie im “Jetzt” deiner Geschichte geschrieben hast, hast du doch immerhin schon mit dem “Schreiben für deine Geschichteangefangen. Das führt dann - hoffentlich - dazu, dass du dich nach einer Weile auch selbstbewusst genug fühlst, wirklich im “Jetzt” der Geschichte zu schreiben.

Drittens, lernst du durch die Beschäftigung mit der Vergangenheit deiner Geschichte gleich noch einmal viel mehr über die aktuelle Situation, du lernst deine Charaktere kennen, übst mit ihnen umzugehen und wirst selbst viel enger mit deiner Geschichte verbunden.

Als kleinen Zusatz, erhältst du unter Umständen nicht nur völlig neue Ideen für die eigentliche Geschichte, sondern je nachdem kannst du das Geschriebene im Nachhinein sogar im “Jetzt” der Geschichte als Rückblick verwenden, sodass du nicht nur dreifachen, sondern sogar vierfachen Nutzen aus dieser Methode ziehen kannst.

Beispiel

Deine eigentliche Geschichte dreht sich um eine Nonne, die sich in den Geschäftsmann Georg Sandman verliebt (ja, ja, immer wieder das alte Lied ^^) . Nun traust du dich also nicht anzufangen. Deshalb greifst du auf die Vergangenheit zurück.

Beispiel 1:

Du beschreibst die Szene wie die Nonne ins Kloster aufgenommen wird, was hat sie für Gefühle? Warum ist sie hier? Wen lernt sie kennen?

Das ist eine super Gelegenheit um den Charakter besser kennenzulernen, ihre Vergangenheit zu beleuchten und ihre Motivation zu verstehen.

Beispiel 2:

Du beschreibst einen Tag aus dem Alltag von Georg Sandmann. Er hat ein paar Meetings, ein spätes Abendessen mit einem Geschäftskunden und schleppt eine erotische Blondine ab (steht er auf Blondinen?) .

Dadurch lernst du sein Verhalten kennen, machst dich mit seinen Marotten bekannt und bekommst ein Gespür für sein Zeitmanagement.

Beispiel 3:

Du gehst auf die Gründung des Klosters oder der Firma ein, wer wohnt und/oder arbeitet dort? Wie ist der Tagesablauf? Was für Beziehungen gibt es untereinander?

Damit machst du dich mit den einflussreichsten Leuten vertraut, mit der Umgebung in der die Geschichte spielt, dem Schauplatz sozusagen.

Handelt es sich um Fantasy kannst du die komplette Entstehungsgeschichte des Planeten beleuchten, Krieg, Frieden, Kaiser, Könige, Götter, bei einem Krimi den Werdegang des Detektivs oder des Mörders, … ich bin ganz sicher, dir fällt etwas Passendes ein.

Fang mit der Vergangenheit an

Wenn du dich also das nächste Mal nicht dazu durchringen kannst, mit deiner Geschichte anzufangen, dann greif einen interessanten - oder auch einen langweiligen - Aspekt aus ihrer Vergangenheit auf und fang einfach dort an zu schreiben, locker, flockig, munter drauf los, und es darf mit gutem Gewissen so richtig schlecht geschrieben sein. Schließlich geht es nicht um die eigentliche Geschichte, sondern “nur” um die Vergangenheit.

Erfahrungsberichte

Ich habe diesen Ratschlag nun schon sehr häufig gegeben und aus jeder Quelle gehört, dass es nicht nur den Anfangswiderstand überwunden hat, sondern zusätzlich neue Ideen und tiefere Einblicke lieferte. Zu allem Überfluss, hat es allen Betroffenen auch noch Spaß gemacht.

Wie gesagt, hat es mir auch bei meinem aktuellen (Fantasy) Projekt sehr geholfen.

Aber nun zu dir:

Diskussion

Hast du ein richtig großes Projekt, das dir so richtig wichtig ist? Worum geht es (ganz grob)? Schiebst du es schon lange vor dir her? Wenn ja, wie lange? Was hindert dich daran anzufangen? Hast du schon einmal versucht in der Vergangenheit anzufangen? Hilft dir das?

Abonniere jetzt meinen Newsletter oder RSS-feed.

Artikel mit verwandten Themen:

Delicious Favorit hinzufügenTwitter dasMister Wong Favorit hinzufügen

Das Schreiben, Dein Blog und Du

31. Januar 2010; Kategorie: Gedankenblitz

Diamant

Vor einer Weile hatte ich euch ja nach euren liebsten Seiten über das Schreiben gefragt, heute frage ich dich, nach deiner eigenen Seite.

Bist du im Netz? Hast du einen Blog? Worüber schreibst du dort? Hast du die Seite selbst gebastelt? War es eine Vorlage? Hast du sie angepasst? Wie lange schreibst du schon online? Wie regelmäßig veröffentlichst du etwas im Netz?

Was passiert damit?

Ganz einfach ich veröffentliche deinen Beitrag hier in meinem Blog und verfasse einen kompletten Artikel nur über die Internetseiten der Leser meines Blogs, und wenn du möchtest, ist deine Seite dabei.

Wer kann mitmachen?

Mitmachen kann jeder der möchte.

2 Bedingungen:

1. Du musst Leser von Schriftsteller-werden.de sein ;)

2. Deine Seite muss seit mindestens zwei Monaten existieren.

Disclaimer: Ich behalte mir vor, Seiten - ohne Angabe von Gründen - nicht in meinen Artikel aufzunehmen, die mir aufgrund von Inhalt oder Aufmachung ungeeignet erscheinen.

Wie mache ich mit?

Schick mir einfach eine E-Mail mit deinem Namen, einem Link auf deinen Blog/deine Webseite und einer kurzen Beschreibung, die eine oder alle der oben aufgelisteten Fragen beantwortet (Richtwert 300 Worte).

Einsendeschluss ist der 28. Februar 2010. Veröffentlicht wird der Artikel 1-2 Wochen später.

Ein Link auf den dann erscheinenden Artikel ist gerne gesehen, aber keine Verpflichtung.

Also mach mit und zeig uns deine ganz private, virtuelle Welt.

Um über neue Artikel umgehend informiert zu werden, melde dich gleich bei meinem Newsletter oder über den RSS-feed an.

Artikel mit verwandten Themen:

Delicious Favorit hinzufügenTwitter dasMister Wong Favorit hinzufügen

10 Tipps um Lieblingsszenen zu retten

28. Januar 2010; Kategorie: Schreiben Lernen

Lieblingsszene

Wenn ich mich so richtig auf eine Szene freue, wenn ich genau weiß, was passieren soll, wenn mir das Kopfkino in Dolbysurround und HD den Himmel auf Erden zeigt - genau dann haste ich durch die Szene hindurch, bin fertig, bevor sie richtig angefangen hat und komplett unzufrieden mit mir selbst.

Was eine Lieblingsszene ist? Naja, eben genau die, auf die du dich schon die ganze Zeit freust, dass du sie bald schreiben darfst ^^

Wieso?

Die Antwort ist ganz einfach: Ich weiß ganz genau, was ich sagen möchte, ich weiß ganz genau was passiert und im Endeffekt schreib ich deshalb einen Satz, wo es sicher 10 sein müssten, ganz einfach weil die Autovervollständigung meines Hirns auf Hochtouren läuft.

Was tun?

Ergänzen. Dabei achte ich nicht darauf, ob ich zu viel hinschreibe. Wenn ich versuche eine solche Szene zu retten, dann gibt es im ersten (bzw. eigentlich ja dem zweiten) Durchlauf kein “zu viel“.

Was durch das Durchrasen passiert ist, ist dasselbe, wie wenn ein Künstler mit einem Presslufthammer an einen Marmorblock herangeht, weil sein Geist schneller denkt, als er mit der Hand meißeln kann. Am Ende ist zu viel weggeschnitten und aus den winzigen Überresten, kann nicht einmal der geübteste Zuschauer erkennen, was man erschaffen wollte und egal wie viel Geduld und Hingabe der Künstler noch aufbringt, er kann einfach keinen Goliath mehr aus den kläglichen Überresten schaffen. Dasselbe gilt auch für eine “zu schnell” geschriebene Szene.

Machst du es aber andersherum, erzeugst du zu viel Text, dann kannst du nachher immer noch streichen.

Als Schriftsteller haben wir den enormen Vorteil, dass wir uns den Marmor wieder neu erschaffen können, auch nachdem wir beim ersten Mal vielleicht zu viel “weggemeißelt” haben. Und in der dritten Runde können wir ihn genauso leicht wieder entfernen.

Deshalb ist es,  bei deinem Versuch eine Lieblingsszene zu retten, erst einmal unwichtig, ob du Nichtigkeiten aufschreibst. Wichtig ist, dass du ein vollständiges Bild erschaffst. Wenn es an den Rändern etwas über die Leinwand hinausragt, kannst du das nachher immer noch abschneiden.

1. Orte und Aktionen

Das ist wahrscheinlich der Punkt, an dem du am wenigsten ergänzen musst. Trotzdem solltest du dir die Szene noch einmal genau ansehen. Versuch dich vom Kopfkino zu lösen, das höchstwahrscheinlich immer noch in deinem Hirn herumgeistert.

Statt dessen, lies die Sätze und versuch wirklich nur das zu lesen, was da steht. Gelegentlich stellt sich dabei heraus, dass bei manchen Personen gar nicht klar ist, wo im Raum sie sich gerade befinden, oder was sie tun. Also ergänze diese Fakten, zeichne ein vollständiges Bild von der Situation, damit der Leser auch das sehen kann, was du dir vorstellst.

2. Logik

Wenn dein Charakter etwas in die Hand nimmt, dann geht der Leser normalerweise davon aus, dass er es den ganzen Rest der Szene auch in der Hand behält. Es sei denn, du teilst ihm etwas Gegenteiliges mit. Achte also darauf, dass alle Charaktere ihre Handlungen vollenden. Sie heben etwas auf und sie tun dann auch tatsächlich etwas damit, sie werfen es weg, legen es wieder ab, lesen es …

Es ändert sich weder der Standort einer Person, noch ihre Kleidung, ihre Ausrüstung oder ihr Gesundheitszustand, ohne, dass du es dem Leser mitteilst - zumindest indirekt, indem klar ist, dass dein Protagonist nicht sieht, was passiert.

3. Sinneseindrücke

Außerdem vergesse ich bei solchen Szenen gerne hinzuschreiben, was wirklich wahrgenommen wird. Benutze alle 5 Sinne deines Protagonisten, sehen, riechen, hören, schmecken, fühlen, um deinen Leser ganz in die Welt der Geschichte hineinzusaugen. Zeig ihm alles.

4. Emotionen

Was empfindet dein Charakter? Gerade solche Lieblingsszenen sind meistens, auf die eine oder andere Weise emotional. Entweder ist dein Protagonist besonders verliebt, sauer, ängstlich, verwirrt oder was auch immer. Lass deinen Leser an dieser Emotionswelt teilhaben, lass ihn spüren, was dein Charakter fühlt.

5. Gedanken

Lieblingsszenen sind häufig sehr bedeutungsschwanger. Ist die Szene nicht gerade deshalb so toll, weil A. gerade das und das denkt, während B. eigentlich etwas ganz anderes sagen wollte? Ist es so spannend, weil C. gar nicht merkt, das hinter dem nächsten Busch ein Hinterhalt lauert? Vielleicht ist dein Protagonist auch völlig abgelenkt und fragt sich, wo die Frau - die gerade eine Pistole auf seinen Kopf richtet - eigentlich ihren Lippenstift gekauft hat?

Lass deinen Leser in die Gedankenwelt deines Protagonisten eintauchen und nutze so die Schreibunschärfe zu deinem eigenen Vorteil, um noch mehr Nähe zu erzeugen.

6. Erinnerungen

Manche Dinge geben nur Sinn, wenn sie im Zusammenhang mit dem großen Ganzen betrachtet und ins rechte Licht gerückt werden. Also kann es hilfreich sein, wenn sich dein Charakter an Dinge erinnert, die in der Vergangenheit geschehen sind. Die kann er dann mit der gegenwärtigen Situation in Verbindung bringen.

Zum Einen ist das eine gute Gelegenheit, um “neueVergangenheit zu enthüllen (Sachen, die dein Leser bisher noch nicht wusste), oder um dem Leser bereits Gelesenes wieder ins Gedächtnis zu rufen.

7. Schlussfolgerungen

Egal was passiert, egal was man sieht, hört, riecht oder fühlt, jeder Mensch zieht ständig seine eigenen Schlussfolgerungen. Das ist der Grund, warum es bei einem Unfall und 30 Zeugen immer auch 30 verschiedene Aussagen gibt, was genau passiert ist. Außerdem ist gerade diese Eigenschaft das Geheimnis, warum die Geschichten von Jane Austen absolut lesenswert sind ^^

Lass deinen Leser also daran teilhaben, was dein Charakter für Schlussfolgerungen zieht, was er denkt, warum der andere tut, was er tut.

8. Was würde … dazu sagen?

Angenommen dein Protagonist findet sich in einer peinlichen oder gefährlichen oder sonst irgendwie außergewöhnlichen Situation wieder, dann könnte er darüber nachdenken, was x (seine Mutter, seine Schwester, sein Ehemann, sein Freund) jetzt dazu sagen würde, wenn er ihn so sehen könnte. Eigentlich ist das auch nur ein Blick in seine Gedanken, aber es eröffnet für den Leser einen völlig neuen Blickwinkel.

9. Dialoge

Falls kein Dialog stattfindet, könntest du überlegen, ob er zum allgemeinen Bild der Szene beitragen würde, falls er einfach nur überflüssig ist, dann natürlich weg lassen.

Falls aber ein Dialog stattfindet, überlege dir, ob tatsächlich auch alle wichtigen Fakten ausgetauscht werden.

Stell sicher, dass

  • ständig klar ist, wer redet.
  • nur Dinge gesagt werden, die der entsprechende Charakter auch wirklich mitteilen würde.
  • die Stimmung, sowie Art und Weise des Gesprochenen klar sind.
  • die Charaktere auf die Worte, deren Inhalt, Implikation, Art und Weise reagieren.

10. Reifen lassen

Leg deine “zu kurze” Lieblingsszene für einen Tag zur Seite, falls nötig auch länger. Wenn du sie das nächste Mal zur Hand nimmst, wird es dir viel leichter fallen zu erkennen, was noch fehlen könnte. Versuche direkt während des ersten erneuten Lesens Fehlstücke einzubauen.

11. Zusatztipp:  Neuschreiben

Leg das Original der Szene zur Seite (am besten für ein oder zwei Tage, bei Bedarf auch länger) und dann schreib die Szene komplett neu. Es ist fast unmöglich, dass du genau dieselben Worte wieder findest, du wirst andere Aspekte entdecken, neue Sichtweisen, zusätzliche Fakten.

Falls du mit dem Ergebnis zufrieden sein solltest, super. Ansonsten kannst du versuchen, die neue Version mit der Alten zu verbinden und so ein größeres, kompletteres Ganzes zu schaffen.

12. Zusatztipp: Aufgeben

Nun, wenn du meinen Blog schon ein wenig länger verfolgst, dann dürftest du wissen, dass “Aufgeben” für mich eigentlich keine Option ist. Trotzdem bleibt manchmal vor lauter Voreingenommenheit einfach nichts anderes übrig. Allerdings ist es ausdrücklich nur temporär. Du tust nämlich so, als wäre die Szene fertig und schreibst einfach an deiner Geschichte weiter.

Eventuell hast du das Glück, dass dich zwischendurch ein Geistesblitz ereilt, dann kommst du natürlich sofort zurück. Ansonsten wartest du ganz explizit bis zur ersten Überarbeitung. Erst dann versuchst du - auf dem Hintergrund von all dem, was du seither über deine Charaktere, im Rest der Geschichte erfahren hast - die Szene erneut zu verbessern.

Diskussion

Hast du auch das Problem, dass dir Lieblingsszenen nicht gelingen? Wie oft kommt das vor? Bei welchen Szenentypen im Besonderen? Was unternimmst du dagegen? Welche der oben genannten Tipps hast du schon ausprobiert? Welche helfen dir am besten? Welche würdest du noch ergänzen?

Meinen Newsletter findest du in der rechten Navigation und auf der Anmelden-Seite, auch den RSS-Feed kannst du dort abonnieren.

Artikel mit verwandten Themen:

Delicious Favorit hinzufügenTwitter dasMister Wong Favorit hinzufügen