3 Recherchetipps für ein glaubhaftes Setting

30 Nov

Deine Welt entdecken – Erste Hilfe für dein Setting

Ich habe bereits einmal über dieses Thema geschrieben und gesagt, dass du kein Weltenbummler sein musst, um spannend zu schreiben.

Geboren wurde der Artikel damals, weil ich gesehen hatte, wie viele Geschichten in Amerika angesiedelt wurden und weil ich das Gefühl hatte, dass es a) nicht notwendig ist und b) gar nicht richtig möglich ist, über einen Ort zu schreiben, an dem man noch nie war.

Die Welt liegt dir zu Füßen

Im Grunde denke ich das immer noch. Allerdings gibt es ein weiteres Problem bei der Wahl deines Settings. Denn, selbst, wenn du an einem bestimmten Ort schon einmal warst, wird die Erinnerung daran mit der Zeit unweigerlich verblassen.

Das heißt, obwohl ich sogar ein Semester auf Long Island studiert habe und oft in New York gewesen bin, hatte ich ein paar Bedenken, meine Geschichten dort spielen zu lassen. Wenn man aber mit dieser Einstellung an seine Setting-Wahl herangeht, dann bleibt bald wirklich nur noch der heimische Vorgarten als Schauplatz übrig und das würde (mir zumindest) auf die Dauer doch langweilig.

Aber, dank der magischen Kräfte des Internets, hast du jetzt die einzigartige Gelegenheit, deinen Roman glaubhaft überall spielen zu lassen.

1. Karten benutzen

Im Augenblick siedele ich meine Geschichten gerne in New York an. Ganz einfach, weil ich schon ein paar Mal da war und weil ich es unheimlich toll fand. Der Nachteil an der Sache ist natürlich, dass ich nicht mal eben vorbeigehen kann, um mir bestimmte Dinge anzusehen. Deshalb habe ich mir unter anderem eine Straßenkarte von New York gekauft und einen Reiseführer, aber das alleine reicht mir nicht.

Wenn du deine Handlung unbedingt an einem Ort spielen lassen möchtest, an dem du noch nicht (oder lange nicht mehr) gewesen bist, dann empfehle ich dir von ganzem Herzen: Google Maps.

Offensichtlich kannst du dir mit so einer Karte einen groben Überblick der Gegend verschaffen. Aber das ist noch längst nicht alles.

Deshalb benutze ich gewöhnlich Google-Street-View, um mir ein genaueres Bild von den Örtlichkeiten zu machen.

2. Google-Street-View

Google Street ViewMit Google-Street-View geht es nämlich noch einen Schritt weiter. Indem du das kleine gelbe Männchen auf die Straße  „plumpsen“ lässt, begibst du dich in die Straßenansicht. Schwupps, stehst du ganz ohne Reisekosten mitten in New York, Berlin oder Singapur und kannst dir die Straßen, Häuser und Parks ansehen.

Natürlich ist das immer noch nicht damit zu vergleichen, vor Ort gewesen zu sein. Geruchseindrücke, Stimmungen und die Menschen kann man damit noch nicht einfangen, aber es ist ein grandioser Anfang, den du auf jeden Fall ausnutzen solltest.

Achtung: Neuerdings ist es sogar möglich, in einige Gebäude hineinzugehen!!

2.b Karten erstellen

Ein weiteres super cooles Werkzeug ist „deine eigene Google-Map“.

Wenn du in Google-Maps links oben auf das Menü klickst, dann gelangst du über „your places“ bzw. „Deine Orte“ auf eine andere Seite, in der du nach Belieben eigene Karten mit eigenen Plätzen anlegen kannst.

[EDIT: Ich hab in den Kommentaren einen Screenshot eingefügt 8) ]

Das habe ich für meine New-York-Geschichten gemacht, um den Überblick zu behalten, wer wo wohnt. So wird es wesentlich einfacher, ein Auge auf die Logik zu haben, wer wann mit wem wohin geht, wie lange das dauert und wo sie dabei vorbeikommen 8)

Gleichzeitig ist es ein kleines Extraschmankerl für die Leser, die gar nicht genug von den Geschichten bekommen können 🙂

Hier, kannst du mal einen Blick darauf werfen.

Das Tolle ist übrigens, dass du die Karte jederzeit verändern und erweitern kannst. Und es ist nicht nur möglich, den Plätzen eigene Namen zuzuweisen, sondern du kannst sie auch mit kleinen, farbigen Icons kennzeichnen. Sieht hübsch aus und macht die Sache übersichtlich 🙂

Einschub: Was ist mit Fantasy?

Für Fantasy kannst du das alles aber gar nicht gebrauchen, oder?

Falsch 😛

Diese Werkzeuge können dir auch dann helfen, wenn du über imaginäre Schauplätze schreiben möchtest.

Palmanova Map data ©2016 Google, Imagery ©2016 GoogleEs ist nämlich gar nicht so einfach, eine „sinnvolle“ Stadt aus dem Nichts zu erschaffen, die auch funktioniert (Kanalisation, Geschäfte, organisatorisch notwendige Gebäude …). Das heißt, du könntest dir eine Stadt aus unserer Welt aussuchen und sie für deine Zwecke abstrahieren 🙂

Wie wäre es mit Palmanova in Italien? Ich finde, die sieht sehr fantastisch aus.

3. Youtube und Vlogs

Noch ein Super-Tipp, um Schauplätze besser kennenzulernen sind Vlogs. Schau dich ein bisschen auf Youtube um und du wirst haufenweise Videotagebücher finden. Wenn du ganz viel Glück hast, sogar von genau dem Ort, an dem deine Handlung spielen soll. Und schwupps, hast du einen exklusiven Einblick in den Tagesablauf von Menschen, die genau dort leben. Ein perfekter Anfang, wenn du versuchen willst, dieses Leben deinen Lesern näherzubringen.

Vlogs und Google-Maps funktionieren zur Zeit hauptsächlich für große und bekannte Ortschaften, aber, erstens ist das immerhin ein Anfang und zweitens wird sich das in naher Zukunft sicher noch erweitern.

Fazit

Schreib über das, was du kennst. Und wenn du über etwas schreiben willst, das du nicht kennst, mach dich schlau 🙂

Jetzt du:

Was ist dein Geheimtipp, um möglichst glaubhafte und ansprechende Schauplätze zu gestalten?


Ich schreibe Bücher. Möchtest du mich auf meiner Reise begleiten? Möchtest du live dabei sein und mit mir jeden Schritt des Weges teilen? Mitfiebern? Mitlernen? Mitschreiben?

10 thoughts on “3 Recherchetipps für ein glaubhaftes Setting

  1. Hallo liebe Jacqueline,

    ich lese ja immer deine Artikel :-), aber kommentiere sie selten. Ich finde, diese Tipps oben genial. Ich selbst handhabe das auch so. Vor allem Google Street-View ist super, und ich war auch schon mal im ZARA in Rom, weil dort eine Verfolgungsjagd in einem Buch von mir spielt. Dass man eigene Karten anlegen kann, wusste ich noch nicht. Hab gleich mal in deine reingeschaut – super. Das ist für Leser natürlich besonders schön. Ich selbst lese auch gerne mal Erfahrungsberichte von anderen (gerade über Städte findet man da sehr viel). Einfach um zu sehen, wie andere Menschen die Stadt wahrnehmen, wie sie wirkt. Ich finde, dass die Wirkung und Atmosphäre einer Stadt oder Landschaft unbedingt dazugehören. Wenn man das treffend anhand ein paar Details wiedergeben kann, ist das schon die halbe Miete.

    Ansonsten: <3-lichen Glückwunsch zu 12 in 12. Die Bücher oben sehen so toll nebeneinander aus – natürlich auch einzeln. Hach ja …

    Liebe Grüße Mila

  2. Vielen Dank für die hilfreichen Tipps! Genau hier liegt aktuell mein Problem. Ich habe mir einen Schauplatz ausgesucht, an dem ich selber noch nie war. Bisher habe ich mir haufenweise Bilder von dem Ort angesehen. Das hilft mir, die Umgebung eindrucksvoll zu beschreiben. Ich freue mich auf weiter spannende Anregungen von dir.

  3. Ich habe es bisher auch so gehalten. So falsch kann ich da nicht gelegen haben. Es bleibt natürlich der Mentalitätsunterschied, aber da ich Fantasy bzw. Science Fiction schreibe, ist das für mich nicht so wichtig.

    Ich zeichne auch gerne: Stadtpläne, Landkarten, Wohnungsgrundrisse oder Positionen der Gegner bei einem Kampf. So kann man sich sie Szenerie gleich viel besser vorstellen und auch beschreiben.

    Mein Tipp, wenn jemand eine Fantasy-Stadt sucht: Carcassonne in Südfrankreich. Es ist eine vollständig erhaltene mittelalterliche Stadt mit einer Stadtmauer.

    • Hi Sandra,
      ja, dafür musst du eingeloggt sein.
      Ich hab dir mal ein paar Screenshots gemacht, weil ich den Weg selbst ein bisschen umständlich finde.
      Wer weiß wie’s einfacher geht, darf sich gerne melden 🙂

  4. Hi Jacky,
    Ich nutze Google Maps auch viel für Recherche, auch wenn ich finde, dass es man mit den Karten kaum die Atmosphäre eines Ortes erfühlen kann. Dafür hilft es dann wirklich, selbst vor Ort gewesen zu sein. Das mit den eigenen Karten ist klasse, das werde ich bald mal ausprobieren. YouTube ist auch echt hilfreich. Ich habe damit mal eine Achterbahnfahrt gemacht, die ich meine Figuren erleben lasse. Ist schon klasse, wie das bei der Recherche hilft!

  5. Hallo Jacky,

    ich nutze Street View auch schon länger. Meine Geschichte spielt in Irland und dort war ich schon mehrfach, aber zum Auffrischen „fahre“ ich die Strecken auch gern mal per Street View ab. Das mit den eigenen Orten wusste ich allerdings auch noch nicht – vielen Dank für diesen hilfreichen Tipp.

    LG, Susanne

  6. Mein derzeitiges (Langzeit-)Projekt spielt in/zwischen ein paar fiktiven Städten, einfach da ich keiner echten Stadt einen Krieg aufhalsen will.
    Ich habe mir eine ungefähre Gegend gesucht (mit Hilfe von GoogleEarth), mir ein paar Städte der Gegend „in passender Größe“ angeguckt, alles ein wenig vermischt, einen ausgedachten Namen draufgepackt und fertig.
    So trete ich keiner Stadt auf die (anwaltlich bewachten) Füße, und ich hab mehr Freiheiten als bei einem realen Ort.

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