Stephen King plottet doch!

21 Okt

Ich habe Beweise …

Stephen King plottet nicht. Das hat er in seinem Buch „On writing“ doch geschrieben, oder?

Macht er wohl! Hier ist der Beweis:

Abgesehen davon, dass das Video sowieso sehr sehenswert ist, kommt die entscheidende Stelle bei 11 Minuten 56 Sekunden. Dort sagt er:

„Meine Methode, um irgendetwas anzufangen: Wenn ich nachts im Bett liege, bevor ich einschlafe, erzähle ich mir selbst die Geschichte. Es beginnt mit einem kleinen Körnchen Sand. Du musst ihm nur Zeit geben. An einem Punkt, etwa neun Monate später, ist daraus eine Perle geworden. Und wenn es nicht passiert, dann passiert es eben nicht. Aber oft passiert es.“

Du findest nicht, dass das Plotten ist?

Plotten ist:

Der Plot ist die sequenzielle Aneinanderreihung der Ereignisse innerhalb deiner Geschichte. „Plotten“ ist also, wenn du dir vor dem eigentlichen Schreiben, strukturiert überlegst, was in deiner Geschichte passieren soll.

Zugegeben, die meisten Menschen machen das mit Stift und Papier. Sie wägen den Spannungsbogen ab, setzen Wendepunkte und achten auf das Konfliktpotential.

Stephen King benutzt kein Papier. Nach so vielen Jahren Meisterschaft hat er das auch nicht nötig.

Stephen King plottet doch!

Anders zu plotten wäre für ihn übrigens gar nicht möglich. Denn er ist nicht gerade ein Freund von Notizbüchern bzw. dem Aufschreiben von Ideen. Im selben Video bei 10 Minuten 26 Sekunden sagt er:

„Die Leute fragen mich, ob ich ein Notizbuch verwende. Und die Antwort ist: Ich denke, dass das Notizbuch eines Autors, der beste Weg der Welt ist, um seine schlechten Ideen unsterblich zu machen.“

Bei dieser Einstellung ist seine Art des Plottens nicht nur verständlich, sondern sogar notwendig.

„Meine Idee von einer guten Idee ist, dass es eine ist, die bleibt und bleibt und bleibt. Es ist als wenn du Brotkrumen in ein Sieb gibst und das vergehen der Zeit ist das Schütteln dieses Siebs. Alles, was nicht wirklich groß und gut ist, fällt hindurch und nur was wichtig ist, bleibt drin.“

Das heißt, er erzählt sich die Geschichte nicht nur einmal. Er erzählt sie sich solange, bis sie für ihn Sinn ergibt und „gut“ ist. Wenn das kein Plotten ist, dann weiß ich es auch nicht 😀

Übrigens: Jeder Mensch plottet

Auf die eine oder andere Weise. Entweder passiert es vor dem eigentlichen Schreiben oder es geschieht, wenn der erste Entwurf bereits steht. An einem dieser Punkte nimmt sich jeder Schriftsteller seine Geschichte vor und untersucht sie auf Schwachstellen. Stephen King tut das offensichtlich vor dem ersten Entwurf — abends im Bett.

Und du?

Was machst du vor dem Einschlafen?


Ich schreibe Bücher. Möchtest du mich auf meiner Reise begleiten? Möchtest du live dabei sein und mit mir jeden Schritt des Weges teilen? Mitfiebern? Mitlernen? Mitschreiben?

7 thoughts on “Stephen King plottet doch!

  1. Ich habe dieselbe Methode und erreiche oft zweierlei damit: Ich weiß am nächsten Tag, was ich will und der Schlaf kommt von selbst!

    Viele Grüße
    Barbara Krueger

    • Hi Barbara,
      klingt super 🙂 Klappt das mit dem Einschlafen denn immer? Gelegentlich drängen sich bei mir so viele Ideen in den Kopf, dass ich dann aufstehen und sie aufschreiben muss ^^;
      lg
      Jacky 😉

  2. Ideen sind super. Auch schlechte Ideen haben ihre Daseinsberechtigung. Meist ist es bei mir so, dass aus einer „blöden“ Idee in einer Geschichte eine Welt Idee in einer anderen Geschichte wird.
    Ich mag meine schmierzettel. Darauf stehen so herrlich viele abstrakte und verrückte Gedanken die alle das Potential haben zu etwas grossem zu werden.

    zu dem plotten im Kopf. Ich denke das macht auch jeder im gewissen Maße aber wenn man wie ich ein Hirn wie ein NudelSieb hat vergisst man ja die besten Ideen.

    Außerdem hoffe ich, sollte ich mal einen Bestseller Schreiben, diese obskuren Ideen mit den Fans teilen zu können.

    „Sieh her. Der beliebte Antagonist War eigentlich nur als neben Figur gedacht….“

    Gute Ideen müssen den besseren weichen.

  3. Seit zwölf Jahren hab ich vor dem Einschlafen durchgehend irgendeinen Säugling neben mir liegen, der meine Milch trinken will, und bin so müde, dass ich zum Denken nicht wirklich komme…

  4. Warum immer so totalitär?
    Klar bleiben gute Ideen, vor allem gute Grundideen und Neugier-Lust-Faktoren für eine spezielle Geschichte!
    Aber ich hatte ebenso oft auch schon Momente in denen ich mich grün geärgert habe, weil ich nach dem Aufstehen alles von der ‚Kurz vor der Einschlafphase‘ zusammengereimten bzw. ‚DIE Idee‘ vergessen hatte.
    Einmal war es besonders schlimm – ich träumte in einer Nacht sogar einen ganzen Roman! Ich meine, ich träumte wie ich ihn von der Geschichte zu schreiben hätte. Nur, ich vergaß es eben, weil ich es nicht gleich in Stichpunkten aufschrieb. Lediglich das Wissen ist geblieben, das dieser Traum eine geniale, ich meine wirklich geniale Geschichte offenbarte, mit sowas von tollen Wendungen die selbst mich als Träumer überraschten.
    Also, wie mache ich es jetzt?
    Entweder habe ich eine Anfangsidee, eine Begebenheit, eine Anfansszene o. ä.
    Die muß dann auch schnellstmöglichst raus!
    Wenn ich aber dann im Laufe der Geschichte, die sich durchaus auch etwas anspruchsvoller entwickelt, dann eine kompliziertere Szene schreiben möchte/muß, dann mache ich mir schon ein paar Notizen und Stichpunkte um auch den Überblick zu wahren.
    Plane ich eine Geschichte im Vorraus?
    Partiell eventuell!
    Aber ehrlich gesagt, denke ich nicht das es möglich ist. Eine gute Geschichte übernimmt irgendwann sowieso selbst die Regie und als Schreiber ist man dann nur noch ausführendes Werkzeug!
    Joooh!

  5. Hey Jacky,

    als ich die Erklärung zum Plotten gelesen hatte, musste ich erst mal herzhaft lachen!=)
    „Dann bin ich ja ein Dauerplotter!“ Vieles spielt sich in meinem Fall manchmal in ganzen Szenen in meinem Kopf ab bis ich anfange es wirklich Nieder zuschreiben. Da ist manchmal keine Zeit um sie über die Struktur der Geschichte zu machen. Diese kommt dann automatisch.
    An anderen Tagen schreibe ich jede Kleinigkeit nieder die ich im Kopf habe.
    Und seien die Ideen und Gedanken auch so „blöd“ oder „klein“.
    Alles muss raus. So schaffe ich wieder Platz für Neues.
    Denn zwischen den ganzen „unwichtigen Sachen“ schimmern immer die „Guten“ durch und so manche Kleinigkeit entwickelt sich zu einem Stück des großen Ganzen.
    Das ist als ob einzelnen Charaktere mich antippen und sagen „Martina weißt du übrigens was mir letztens passiert ist? Also….“
    Sie erzählen und ich schreibe.

  6. Ich plotte auch.. und das irgendwie ständig. Manchmal kann ich nicht einschlafen, weil mir eine gute Szene einfällt und mir bewusst wird, wie ich die Ereignisse verlinken kann. Dann schnappte ich mir mein Handy und diktiere es meinem Schreibtool oder nehme es auf, damit ich endlich schlafen kann. Wenn ich spazieren gehe, bekomme ich schon mal schräge Blicke zugeworfen, weil ich einen Dialog auf mein Aufnahmegerät spreche, der mir in dem Moment einfällt (und von meinen sonstigen Ausbrüchen will ich gar nicht anfangen). Wir Autoren sind halt ein seltsames Volk und ich werde lieber komisch angeguckt, als eine Idee zu verlieren 😉

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