Klappe! Schreib jetzt!

4 Nov

„Ich habe solange nichts geschafft, …“ man wie das auf’s Gemüt schlägt. Wenn ich in so ein Loch falle, dann kann ich Tage damit zubringen im Selbstmitleid zu zerfließen und vor dem Fernseher zu versauern.

Das Dumme an dieser Methode ist nur, mit jeder Stunde, die ich weiter nichts tue, wird dieses Gefühl des „Nichts-Geschafft-Kriegens“ immer schlimmer, immer bedrückender, immer lähmender. Dabei ist es so einfach da heraus zu kommen.

Das Schlimmste ist, dass ich das weiß, und trotzdem tue ich weiterhin nichts.

Warum tue ich nichts dagegen?

Weil es einfacher ist nichts zu tun.
Weil ich faul bin.
Aber genau das ist falsch.
Ich bin nicht faul.
Und es ist verdammt schwierig gar nichts zu tun.

Wenn ich ganz ehrlich mit mir selber bin, dann ist Fernseh gucken eine der langweiligsten Aktivitäten die es gibt. Spätestens seit die Programmqualität sogar nach 20:00 Uhr so drastisch abgenommen hat.

Der wahre Grund ist: Ich habe Angst!

Ich habe Angst davor meine gesteckten Ziele nicht zu erreichen.
Ich habe Angst zu versagen.
Ich habe Angst überfordert zu sein.
Ich habe Angst erfolgreich zu sein.
Verrückt nicht wahr?

Nicht nur, dass diese Ängste an sich absurd sind, und sich teilweise widersprechen. Der letzte Punkt klingt sogar so bescheuert, dass ich an mir selbst zweifle.

Selbstzweifel.
Selbstzweifel sind auch nur eine spezielle Art von Angst.
Angst vor sich selbst schlecht dazu stehen.

Anstatt weiter in diesem Loch zu versinken, habe ich einfach angefangen diesen Artikel zu schreiben. Ich habe mich hingesetzt um aus Zitronen, Limonade zu machen. hmmmm ich liebe Zitronenlimonade

Woher kommen diese Ängste?

Buddha sagt, jede Angst entsteht aus einer falschen Interpretation der Wirklichkeit.
Die Angst zu versagen rührt daher, dass ich unbewusst denke mir würde etwas schlimmes passieren, wenn ich versagte. Wenn ich nicht die 132 Dinge auf meiner zu-erledigen-Liste gleich heute abhaken kann.

Aber was würde wirklich geschehen?
Würde meine Familie aufhören mich zu lieben?
Würde ich dann sterben?
Würde dann die Welt zusammenbrechen?
Würde ich mich wirklich schlecht fühlen, oder würde ich mich nur schlecht fühlen, weil ich mir selbst einrede, dass ich mich schlecht fühlen muss? Schließlich habe ich nicht alles gleichzeitig geschafft.

Die Antwort auf alle diese Fragen ist ganz schlicht und einfach: Nein.

Und genau das ist der Moment, in dem ich etwa zwei Tonnen Gewicht verliere. Mir wird ganz leicht und ich realisiere, dass ich der einzige bin, der mir das Leben so schwer macht. Zumindest die ersten drei Ängste sind damit wie weg geblasen.

Dann nehme ich mir noch die letzte Angst zur Brust: Was passiert denn wenn ich Erfolg habe?

Dann werden die Aufgaben schwerer, … und was wenn ich die nicht schaffen kann?
Würde meine Familie aufhören mich zu lieben?
Würde ich dann sterben?
Würde dann die Welt zusammenbrechen?
Würde ich mich wirklich schlecht fühlen, oder würde ich mich nur schlecht fühlen, weil ich mir selbst einrede, dass ich mich schlecht fühlen muss?

Nein!

*Puff*

Es ist nicht schlimm wenn du Aufgaben nicht schaffen kannst. Es gibt Ziele, die können wir nicht erreichen.

Willst du das wirklich?

Wenn du ein Ziel nicht erreichst, dann weil du es gar nicht wirklich erreichen willst. Das klingt abgedroschen, aber sieh es einmal so:

Du könntest tatsächlich der beste Klavierspieler der ganzen Welt werden. Aber der Preis dafür wäre, dass du jeden Tag, und wirklich jeden Tag wenigstens 12 Stunden üben müsstest (mehr wenn du kein Talent, und weniger falls du doch welches hast). Tja, und genau an diesem Punkt entscheidet sich, ob du dein Ziel erreichst. Wenn du die 12 Stunden üben willst, dann wirst du dein Ziel auch früher oder Später erreichen. Wenn du das allerdings nicht möchtest, ist es bei einmal üben im Monat kein Wunder, dass du immer noch Probleme mit den Übungsläufen hast.

Deshalb ist es immer wichtig dir vor Augen zu halten, ob du das Ziel was du dir gesteckt hast auch wirklich erreichen möchtest.

Wenn nicht, … nun, dann macht es auch nichts aus, wenn du es nicht erreichst.

Ist doch egal ob du nur 31 der 32 Sammelkarten aus der ersten Edition der Pokémondecks hast. Dafür über 200 € ausgeben, möchtest du nicht. *Puff*

Dasselbe gilt, wenn du nicht mit den Konsequenzen leben möchtest.

Wenn du wirklich der beste Klavierspieler auf der Welt wärst, dann würden dich tausende von Leuten kennen, sie würden dich auf der Straße ansprechen, vielleicht sogar dein Haus belagern, und den Boden küssen auf dem du läufst. Das möchtest du nicht? *Puff*

Du kannst jedes Ziel erreichen, das du erreichen willst

Du musst nur irgendwann damit anfangen.

In der Zeit, in der du dich selbst bemitleidest, kannst du wenigstens eine Sache auf deiner zu-erledigen-Liste abhaken.

Das ist mein liebster Trick.

Mache eine neue zu-erledigen-Liste (ich liebe Listen und Pläne über Alles. Vor allem auf einem frischen, weißen Blatt Papier.) Selbst im aller tiefsten Loch kannst du dich dazu aufraffen einen Plan zu machen, schließlich musst du dabei noch nicht wirklich etwas erreichen. Achte dabei darauf, dass du wirklich winzig kleine, mini Babyschrittchen aufschreibst.

Also „Zimmer aufräumen“ wird zu „Mülleimer runter bringen, neue Tüte in den Mülleimer, Rosa Merkzettel aussortieren, blaue Merkzettel aussortieren, Stifte in den Stifthalter, Bücher vom Schreibtisch ins Regal, restliche Zettel sortieren, …“ dann kommen noch alle Schubladen einzeln und so weiter und sofort.

Das selbst ist ein Haufen Arbeit, aber schließlich muss man sich während der dreißigsten Wiederholung von „Die Nanny“ oder „Tool Time“ irgendwie beschäftigen.

Wenn du damit fertig bist, dann nimm dir irgendeinen Punkt von der Liste. Am Liebsten einen besonders wichtigen, obwohl die meistens nicht so wirklich klein zu heckseln sind, also am Besten einen besonders einfachen.

Tue es einfach

Dann erledige ihn einfach.

Hey mal ehrlich, zum Mülleimer bist du schon oft gegangen. Das schaffst du auch wieder. Selbst wenn du Erfolg hast, wirst du damit höchstens den Zorn von ein paar Küchenschaben auf dich ziehen, die jetzt kein zu Hause mehr haben. *Puff*

Also geh zum Mülleimer, komm zurück und … wow ein Punkt kann von deiner Liste gestrichen werden *Puff*

Ein Schritt nach dem Anderen

Jetzt wo die erste Hürde genommen ist, ist der Rest nicht mehr schwer, du hast ja heute schon etwas geschafft. Und nein, lasse dir von niemandem einreden, dass das ja „gar nichts“ war, was du da getan hast, auch nicht von dir selbst. Da auf deiner Liste ist ein Haken und der lässt sich durch gar nichts wieder weg diskutieren.

Dieses erste Häkchen gibt ein bisschen Motivation. Aber gerade deshalb musst du sehr vorsichtig mit dieser Motivation umgehen. Sie ist noch klein und unschuldig. Ein gerade gekeimtes Pflänzchen mit einem Hochdruckreiniger zu bewässern, würde auch unweigerlich zu seinem Tod führen.

Also überlege dir, wie viele Dinge du heute noch wirklich schaffen könntest und versuche ehrlich mit dir zu sein. Je nachdem wie spät es schon ist, können das recht wenige Punkte werden. Aber egal wie spät es ist, es sollte noch wenigstens Einer sein.

Außerdem sollte mindestens eine Aufgabe dabei sein, die etwas wichtiges vollendet (oder zumindest anfängt. Eigentlich sind Anfänge sogar noch wichtiger als Enden, denn wenn du schon mal angefangen hast, dann kannst du dir am nächsten morgen sagen, hey, ich habe doch schon damit angefangen, jetzt kann ich es auch zu Ende/weiter machen).

Ich nehme mir gerne zu viel vor, da sitzt nämlich so ein kleiner Teufel hinter meinem Ohr, der behauptet, so ein kleiner Punkt wäre doch gar nichts (Hallo du Trottel, das ist der Trihiick!). Auf jeden Fall nimst du dir die Zahl die dir plausibel erscheint, und dann zieh erst mal 30% ab (ich weiß, ich weiß, ih bah Zahlen, … also bei 5 Aufgaben würden so noch 3 übrig bleiben, bei 10 wären es noch 7 und bei 20 noch 14).

Mit der resultierenden Anzahl bist du vielleicht nicht so ganz zufrieden. Aber ermahne dich selbst, dass es besser ist ein kleines Ziel zu erreichen, damit die Motivation wächst, anstatt ein Größeres zu verfehlen. Denn dann wäre deine Motivation gleich wieder zum Teufel, und morgen würde alles von vorne anfangen.

Also fang wieder ganz vorsichtig an.

Guck dir nochmal dein Häkchen an. Hey, es ist immer noch da, du hast heute tatsächlich schon etwas geschafft. Also zum nächsten Punkt: Ausführen, ein Häkchen machen dich freuen (am besten belohnst du dich mich mit irgendeiner Kleinigkeit, ein Capuccino, ein paar Minuten Spazieren gehen, ein paar Seiten in einem guten Buch lesen), dann weiter zur nächsten Aufgabe.

Ausgetrickst

Weil du dir absichtlich nur ein oder maximal zwei schwierigere Aufgaben ausgesucht hast, sollte dir das recht fix von der Hand gehen. Zusätzliche Motivation gibt dir die Tatsache, dass du ja vorher 30% gestrichen hast. Das heißt, dass du dein Ziel also auf jeden Fall erreichen wirst.

Und *Puff* schon wieder ist die Motivation ein kleines Stückchen gewachsen, die Liste mit den Häkchen ist länger geworden, und dann hast du es auf einmal geschafft. Du bist mit der Liste für heute fertig.

Jetzt kommt der Geheimtrick, der letzter Dünger für die Motivation.

Du nimmst dir noch einen Punkt von deiner Liste. Irgendeinen. Am besten Einen, der dir auch noch Spaß macht. Den machst du jetzt zusätzlich.

Wow! Du hast heute mehr gemacht als du eigentlich vor hattest. Man bist du gut!

Achtung!

Jetzt darfst du nur nicht den Fehler machen und weiter arbeiten. Auch wenn da noch ein paar verdammt wichtige Dinge auf der Liste stehen.

Die müssen warten. Jetzt musst du dich selbst belohnen. Schließlich hast du dein Ziel nicht nur erreicht sondern sogar übertroffen!

Also am Besten eine gute Freundin anrufen, oder ausgehen, oder dir ein richtig gutes Video ausleihen (da kommt wenigstens keine Werbung).

Am nächsten Tag kannst du dann mit dem Wissen anfangen, dass du gestern schon etwas geschafft hast. Dass du ja schon angefangen hast, und das der Berg an Arbeit schon langsam zu schrumpfen beginnt.

Der Tag danach

Überlege dir also, was du heute schaffen könntest, ziehe 30% ab, und beginne von vorne.

Ganz wichtig ist allerdings, dass du das kleine Extra am Ende, nicht mit einplanst. Du musst so tun, als würde es nicht existieren. Nur dann kann es seine volle Wirkung entfalten.

Da red ich und red ich.

Siehst du was passiert ist?

Aus meiner anfänglichen Depression sind bis hier her über 1600 Wörter entstanden. Das ist doch eine echte Leistung oder?

Und zur Krönung habe ich damit nicht nur mir, sondern hoffentlich auch dir geholfen, endlich aus diesem dämlichen Loch heraus zu kommen.

Für manch einen mag dieses Listenzeug nichts sein, für diejenigen darf ich diesen Text noch einmal zusammenfassen:

Fang einfach an!

Oder noch direkter:

Halt die Klappe und mach einfach!

Unterstützung von anderen Schriftstellern, die genau wissen wie du dich gerade fühlst findest du in der Schreibwerkstatt. Dort kannst du auch über diesen Beitrag diskutieren und über deine eigenen Erfahrungen berichten. Wie bekämpfst du Schreibblockaden?

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Ich schreibe Bücher. Möchtest du mich auf meiner Reise begleiten? Möchtest du live dabei sein und mit mir jeden Schritt des Weges teilen? Mitfiebern? Mitlernen? Mitschreiben?