Schriftsteller-werden

Die perfekte Szene – Teil 2

28. April 2011, Kategorie: Schreiben Lernen

Wie schafft man es eigentlich, eine perfekte Szene zu schreiben?

Der zweite Teil meiner Übersetzung des Artikels “Writing the perfect scene” von Randy Ingermanson.
Teil 1|Teil 3

Zusammen mit der Schneeflocken-Methode bildet diese Technik eine perfekte Symbiose für den planenden Schreiber. Für alle Plotlos-Schreiber geht es natürlich auch planlos zum Roman.

[Anm. des Übersetzers: Aufgrund seiner Länge habe ich den Artikel in zwei Stücke aufgeteilt. Der dritte Teil enthält eine Zusammenfassung, Stellungnahme und einige Erweiterungen meinerseits.]

Die perfekte Szene schreiben

von Randy Ingermanson

Ich habe dir erklärt, wie du Scenes und Sequels in ihrer äußeren Struktur designen kannst, aber das ist nur die halbe Schlacht. Du musst deine Szene immer noch schreiben. Du musst einen fesselnden Absatz nach dem Nächsten verfassen, wobei jeder Absatz deinen POV Charakter flüssig weiterführen muss: von einem anfänglichen Ziel zu einem knöchelharten Konflikt, zu einem Knochen brechenden Disaster, durch eine Eingeweide bewegende Reaktion zu einem horrormäßigen Dilemma und letztendlich zu einer kleveren Entscheidung.

Wie machst du das? Wie entwirfst du solche Absätze? Wie machst du sie perfekt?

Innere Strutur einer Szene

Die Antwort ist: Du benutzt das, was Dwight Swain “Motivation-Reaction Units” (“Motivation-Reaktion Einheiten“) nennt. Er nennt sie kurz MRUs. Das ist so ein absurd lächerlicher Begriff, dass ich ihn auch benutzen werde, nur um zu zeigen, dass Herr Swain nicht perfekt war. MRUs zu schreiben ist schwer. Aber ich habe herausgefunden, dass man damit am effektivsten seine Geschicklichkeit im Schreiben verbessern kann. Ich habe als Ratgeber für viele Schreiber gearbeitet und ein universelles Problem von ihnen war: die Unfähigkeit korrekte MRUs zu schreiben. Meine Lösung: Sie mussten sich qualvoll durch mehrere Kapitel arbeiten, sodass jedes nicht mehr und nicht weniger war, als eine perfekte Aneinanderreihung von MRUs. Nach ein paar Kapiteln wird die Technik einfacher. Dann verlangte ich bösartigerweise von ihnen, ihre gesamte Geschichte auf diese Weise umzuschreiben. Das ist verdammt harte Arbeit, aber diejenigen die es überlebt haben, sind wesentlich bessere Schriftsteller geworden.

Korrekte MRUs zu schreiben ist der magische Schlüssel zu ansprechender Fiktion. Es ist mir egal, ob du mir glaubst oder nicht. Probier es aus und sieh selbst!

Ich hoffe du gierst danach, dieses magische Werkzeug zu erlernen. Zuerst musst du dich durch einen kompletten Absatz Theorie quälen. Ich bin mir sicher, dass du das in Kauf nehmen wirst, weil du intelligent und geduldig bist und weil ich dich so galant umschmeichle.

Du schreibst deine MRUs, indem du immer dazwischen hin- und herwechselst, was dein POV Charakter sieht (Motivation) und was er tut (Reaktion). Das ist überaus wichtig. Denk daran, dass Swain diese Dinger “Motivation-Reaktion Einheiten” nennt. Die Motivation ist objektiv aber es ist etwas, das dein Charakter sehen kann (oder hören oder riechen oder schmecken oder fühlen). Du wirst die Motivation auf eine Art (be)schreiben, sodass dein Leser sie genauso sehen kann wie dein POV Charakter (oder hören oder riechen oder schmecken oder fühlen). Dann wirst du einen neuen Absatz beginnen, in dem dein POV Charakter eine oder mehrere Dinge als Reaktion auf diese Motivation hin durchführt. Es gibt eine exakte Abfolge, die du beachten musst, wenn du deine Reaktion aufschreibst. Die Abfolge basiert darauf, was psychologisch möglich ist. Beachte, dass die Motivation extern und objektiv ist. Die Reaktion ist intern und subjektiv. Wenn du das beachtest, kreierst du in deinem Leser eine mächtige Illusion, als ob er an etwas Wirklichem teilnimmt. Aber jetzt lass uns mehr ins Detail gehen.

Die Motivation ist extern und objektiv, und du präsentierst sie auf eine Weise, die objektiv und extern ist. Du machst das in einem einzelnen Absatz. Der muss nicht kompliziert sein.

Hier ist ein einfaches Beispiel:

Der Tiger ließ sich aus dem Baum fallen und sprang auf Jack zu.

Beachte den Schlüsselpunkt hier: Das ist objektiv. Wir präsentieren die Motivation, wie sie von einer Videokamera gezeigt würde. Nichts lässt darauf schließen, dass wir uns in Jacks Perspektive befinden. Das kommt als Nächstes, aber in der Motivation halten wir es einfach, klar und sauber.

Die Reaktion ist intern und subjektiv, und du präsentierst sie auf diese Weise, exakt so, wie dein POV Charakter es erleben würde — von innen heraus. Das ist deine Gelegenheit deinen Leser in deinen POV Charakter zu verwandeln. Um mich zu wiederholen: Das muss in seinem eigenen Absatz (oder Folge von Absätzen) passieren. Wenn du es im selben Absatz wie die Motivation belässt, riskierst du deinen Leser durcheinander* zu bringen, was keinem Leser gefällt.

[*Anm. des Übersetzers: Im Englischen steht hier "you risk whip-sawing the reader", die Übersetzung für "whip-saw" ist laut LEO.org "jmdn. beim Poker betrügen, indem man zusammen mit einem Partner den Einsatz erhöht", oder "whipsaw" heißt "Schrotsäge", falls jemand dafür also eine bessere Übersetzung weiß als "durcheinanderbringen", bitte gerne bei mir melden]

Die Reaktion ist wesentlich komplexer als die Motivation. Der Grund dafür ist, dass sie intern abläuft und interne Prozesse auf einer anderen Zeitskala geschehen. Wenn du den Tiger siehst, hast du in der ersten Millisekunde nur Zeit für eine Sache — Angst. In einigen Zentelsekunden hast du Zeit instinktiv zu reagieren, aber das ist alles, was es ist — Instinkt, Reflex. Kurz nach diesem Reflex hast du Zeit rational zu reagieren, zu agieren, zu denken, zu sprechen. Du musst den gesamten Komplex der Reaktionen deines Charakters in dieser Reihenfolge präsentieren, von der schnellsten Zeitskala zur langsamsten. Wenn du sie aus der Reihenfolge bringst, dann fühlen sie sich einfach nicht mehr richtig an. Du zerstörst die Illusion der Realität. Und dein Leser wird nicht mehr weiterlesen, weil dein Geschriebenes “nicht realistisch” ist. Selbst, wenn alle Fakten stimmen.

Hier ein einfaches Beispiel:

Ein Pfeil aus reinem Adrenalin schoss durch Jacks Adern. Er riss das Gewehr an seine Schulter, zielte auf das Herz des Tigers und drückte den Abzug. “Stirb!”

Jetzt lass uns das analysieren. Beachte, dass es drei Teile der Reaktion gibt:

  1. Gefühle: “Ein Pfeil aus reinem Adrenalin schoss durch Jacks Adern.” Du zeigst das zuerst, weil es fast im selben Moment geschieht, wie die Motivation.
  2. Reflex: “Er riss das Gewehr an seine Schulter, …” Du zeigst das als Zweites als Resultat der Angst. Ein instinktives Resultat, dass keine bewussten Gedanken benötigt.
  3. Rationale Aktion und Sprache: “… zielte auf das Herz des Tigers und drückte den Abzug. ‘Stirb!’” Du zeigst das als Letztes, dann, wenn Jack Zeit hatte nachzudenken und rational zu reagieren. Er drückt den Abzug, eine rationale Antwort auf die Gefahr. Er spricht, ein rationaler Ausdruck seiner intensiven emotionalen Reaktion.

Es ist legitim, einen oder zwei dieser drei Teile wegzulassen. (Du kannst nicht alle drei weglassen, sonst hast du keine Reaktion mehr.) Aber es gibt eine entscheidende Regel, wenn du Teile auslässt: Welche Teile du auch behältst, behalte sie in der richtigen Reihenfolge. Wenn es ein Gefühl gibt, muss es als Erstes kommen. Wenn es einen Reflex gibt, darf er niemals vor dem Gefühl kommen. Wenn es eine rationale Aktion gibt, muss sie immer als Letztes kommen. Das ist simpel und offensichtlich, und wenn du dich an diese Regel hältst, werden deine Reaktionen immer wieder perfekt strukturiert sein.

Und nach der Reaktion kommt … eine neue Motivation. Das ist der Schlüssel. Du kannst es dir nicht leisten, eine perfekte MRU zu schreiben und damit glücklich zu sein. Du musst noch eine schreiben und dann noch eine und dann noch eine. Die Reaktion, die du gerade geschrieben hast, wird zu einer neuen Motivation führen, die wiederum extern und objektiv ist und die du in ihren eigenen Absatz schreibst. Nur um das obige Beispiel fortzusetzen:

Die Kugel streifte die linke Schulter des Tigers. Blut schoss aus der Wunde. Der Tiger brüllte und taumelte, dann sprang er durch die Luft an Jacks Hals.

Beachte, dass die Motivation komplex oder einfach sein kann. Die einzige Bedingung ist, dass sie extern und objektiv ist, etwas, das nicht nur Jack sehen und hören und fühlen kann, sondern etwas, das auch jeder Beobachter sehen und hören und fühlen könnte, wenn er da wäre.

Das Wichtigste ist, das alternierende Muster aufrecht zu erhalten. Du schreibst eine Motivation und dann eine Reaktion und dann eine neue Motivation und eine neue Reaktion. Wenn deine Motivationen und Reaktionen zur Neige gehen, ist deine Scene oder Sequel zu Ende. Hör nicht zu schnell auf. Zieh es nicht zu sehr in die Länge.

Schreibe jede Scene und jede Sequel als Abfolge von MRUs. Jeder Teil deiner Scene oder Sequel, der keine MRU ist, muss weg. Streich so etwas unbarmherzig. Zeige keine Gnade. Du kannst dir für keinen einzigen Satz Nachsicht leisten, der nicht seinen Teil beiträgt. Und die einzigen Stücke deiner Szene, die ihren Teil beitragen, sind MRUs. Alles andere ist überflüssiges Füllmaterial.

Die verteufelten Regeln

Du magst dich jetzt fühlen als wäre es unmöglich, deine Szenen nach diesen Regeln zu schreiben. Es zu versuchen lässt dich erstarren. Du stierst blind auf deinen Bildschirm, kannst keinen einzigen Muskel bewegen, aus Angst, eine Regel zu brechen. Oh man, du hast eine echte Schreibblockade. Das ist schlecht. Jetzt lass mich dir das finale Geheimnis verraten, um eine perfekte Szene zu schreiben.

Vergiss alle diese Regeln. Das ist richtig, ignoriere diese Pest. Schreib einfach dein Kapitel, wie du es immer schon gemacht hast, schreib einfach alle Wörter, die du möchtest, auf jede Weise, die dir gefällt. Das fühlt sich besser an, nicht wahr? Du kreierst und das ist gut. Kreation ist die Erschaffung einer Geschichte aus dem Nichts. Es ist harte Arbeit, es ist Spaß, es ist aufregend, es ist unstrukturiert. Es ist unvollkommen. Mach es, ohne die Regeln zu beachten.

Wenn du mit deiner Kreation fertig bist, lass sie eine Weile liegen. Du wirst sie später korrigieren müssen, aber jetzt ist dazu noch nicht die Zeit. Mach etwas anderes. Schreib eine weitere Szene. Geh bowlen. Verbringe Zeit mit diesen nervigen Leuten, die in deinem Haus wohnen. Erinnerst du dich an sie? Deine Familie und Freunde? Mach etwas, das nicht “Schreiben” ist.

Später, wenn du fertig bist, komm zurück und lies dein großartiges Schriftstück. Es wird viele gute Eigenschaften haben, aber es wird nicht perfekt strukturiert sein. Jetzt bist du bereit es zu editieren und ihm eine perfekte Struktur zu geben. Das ist ein anderer Prozess als die Kreation. Das ist Analyse und es ist das Gegenteil von Kreation. Analyse ist Destruktion. Du musst es nun auseinandernehmen und neu zusammensetzen.

Analysiere die Szene die du geschrieben hast. Ist es eine Scene oder eine Sequel? Oder keins von Beidem? Wenn es keins von beidem ist, musst du einen Weg finden eins von beidem daraus zu machen oder du musst es wegwerfen. Wenn es eine Scene ist, stell sicher, dass es ein Ziel, einen Konflikt und ein Desaster beinhaltet. Identifiziere jeden der drei Teile in einer Einsatz-Zusammenfassung. Dasselbe gilt, wenn es eine Sequel ist, stelle sicher, dass es eine Reaktion, ein Dilemma und eine Entscheidung hat. Identifiziere jeden der drei Teile in einer Einsatz-Zusammenfassung. Wenn du die Szene nicht in eine dieser beiden Strukturen bringen kannst, dann wirf sie weg, als das wertlose Stück Gefasel, was sie ist. Du magst eines Tages Verwendung für sie finden, als Sonnet oder Limerick oder Gebrauchsanweisung, aber es ist keine Fiktion und es gibt keinen Weg Fiktion daraus zu machen, also werde sie los.

Jetzt, wo du weißt, was deine Szene ist, entweder eine Scene oder eine Sequel, schreibe eine MRU nach der anderen um. Stelle sicher, dass jede Motivation durch einen Absatz von jeder Reaktion getrennt ist. Es ist okay, mehrere Absätze für eine einzelne Motiation oder Reaktion zu schreiben. Aber es ist ein Kapitalverbrechen, sie in einem einzelnen Absatz zu vermischen. Wenn du sie korrekt separiert hast, kann es sein, dass du ein paar Extrateile hast, die weder Motivation noch Reaktion sind. Wirf sie weg, egal wie wunderschön oder klever sie sind. Sie sind keine Fiktion und du schreibst gerade Fiktion.

Untersuche jede Motivation und stelle sicher, dass sie komplett objektiv und extern ist. Zeige keine Gnade. Du kannst dir keine Gnade für etwas erlauben, das deine Fiktion vergiftet. Töte es, oder es tötet dich.

Jetzt identifiziere die Elemente jeder Reaktion und stelle sicher, dass sie so subjektiv und intern wie möglich sind. Präsentiere sie so glaubhaft wie möglich aus der Sicht deines POV Charakters heraus, sodass der Leser das Gefühl bekommt, als würde er wirklich in dessen Haut stecken. Stelle sicher, dass die Reaktionen in der korrekten Reihenfolge gezeigt werden, die Gefühle zuerst, dann die reflexartigen Aktionen und zuletzt die rationalen Aktionen und Sprache. Nocheinmal, eliminiere alles andere, selbst brilliante Einsichten, die dir einen Nobelpreis sichern würden. Brilliante Einsichten sind sehr schön, aber sie sind keine Fiktion, sie gehören nicht in deine Geschichte. Wenn du es einfädeln kannst solche Einsichten so neu anzuordnen, dass sie sich in einem korrekten fiktionalen Muster befinden, dann schön. Behalte sie. Ansonsten, schlitze ihren wertlosen Hals auf und wirf ihren Kadaver den Wölfen zum Fraß vor. Du bist ein Schriftsteller, und das ist es, was Schriftsteller machen.

Wenn du das Ende deiner Szene erreichst, egal ob es eine Scene oder eine Sequel ist, überprüfe, ob alles richtig in MRUs angeordnet ist und dass alle Kadaver weggeworfen wurden. Fühl dich frei, die Szene zu korrigieren, nach Stil, Klarheit, Esprit, Rechtschreibung, Grammatik und jeder anderen Sache, von der du etwas verstehst. Wenn du fertig bist, klopf dir selber auf die Schulter.

Du hast eine perfekte Szene geschrieben. Die Welt ist in Ordnung. Du bist mit dieser Szene fertig.

Jetzt mach es wieder und wieder, bis du mit deinem Buch fertig bist.

Diskussion

Was hältst du bisher von dem Artikel? Wie findest du die Aufgliederung in MRUs? Was hältst du von objektiver Motivation? Was denkst du zur “zeitlichen” Abfolge und komplett interner Reaktion? Denkst du diese innere Struktur kann funktionieren? Ist diese Art zu Schreiben etwas für dich?

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Die perfekte Szene – Teil 1

5. April 2011, Kategorie: Schreiben Lernen

Wie schafft man es eigentlich, eine perfekte Szene zu schreiben?

In dieser dreiteiligen Serie übersetze ich den Artikel “Writing the perfect scene” von Randy Ingermanson. Er betrachtet die perfekte Szene, und erklärt, wie du sie schreiben kannst, bis ins Detail.

Zusammen mit der Schneeflocken-Methode bildet diese Technik eine perfekte Symbiose für den planenden Schreiber. Für alle Plotlos-Schreiber geht es natürlich auch planlos zum Roman.
Teil 2|Teil 3

[Anm. des Übersetzers: Aufgrund seiner Länge habe ich den Artikel in zwei Stücke aufgeteilt, der dritte Teil enthält eine Zusammenfassung, Stellungnahme und einige Erweiterungen meinerseits.]

Die perfekte Szene schreiben

von Randy Ingermanson

Fällt es dir schwer, die Magie deiner Szenen zu entfachen? In diesem Artikel werde ich dir zeigen, wie du die “perfekte” Szene schreiben kannst.

Vielleicht glaubst du, es ist unmöglich, eine perfekte Szene zu schreiben. Wer kann schon jedes Wort perfekt wählen, jeden Gedanken, jeden Satz, jeden Absatz? Was heißt Perfektion überhaupt?

Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Perfektion liegt immer im Auge des Betrachters und Stil ist eine Frage des Geschmacks.

Aber die Struktur von etwas kann man ganz gut verstehen. Vielleicht kannst du keine stilistisch perfekte Szene erschaffen aber du kannst eine perfekt strukturierte Szene schreiben. Und das ist ein Gutteil besser, als eine schlecht strukturierte Szene zu verfassen.

Die zwei Teile der Szenenstruktur

Eine Szene hat zwei Ebenen der Struktur und nur zwei. Das sind:

  • Die äußere Struktur der Szene
  • Die innere Struktur der Szene

Das mag offensichtlich klingen, aber am Ende dieses Artikels habe ich dich hoffentlich überzeugt, dass das verdammt wichtig ist. Wenn du dann mit großen Mengen Geld nach mir schmeißen möchtest, tu es bitte nicht. Ich hätte viel lieber einen Scheck – mit vielen Nullen.

Ich werde einige Einsichten von Dwight Swain’s Buch “Techniques of the Selling Writer” (englisch) klauen. Das ist ganz einfach das beste Buch, das jemals zum Thema “Wie schreibt man Fiktion” verfasst wurde. Wenn du dieses Buch nicht besitzt, schneidest du dir ins eigene Fleisch. Ich gebe dir in diesem Artikel die Highlights, aber das ist kein Ersatz dafür, das Buch selber zu lesen und zu verdauen.

Bevor wir anfangen, müssen wir uns klar machen, wo wir stehen. Woher wissen wir, was Perfektion ist? Die Antwort basiert auf dem Verständnis dafür, was die Motivation deines Leser ist, zu lesen.

Dein Leser liest deine Geschichte, weil du ihn mit einer mächtigen emotionalen Erfahrung versorgst. Wenn du eine Romanze schreibst, musst du in deinem Leser die Illusion erzeugen, dass er sich selber verliebt. Wenn du einen Thriller schreibst, musst du in deinem Leser die Illusion erzeugen, dass er sich selber in tödlicher Gefahr befindet und nur die allerkleinste Chance hat, sein eigenes Leben zu retten (und das der gesamten Menschheit). Wenn du Fantasy schreibst, musst du in deinem Leser die Illusion erzeugen, dass er sich wirklich in einer anderen Welt befindet, wo alles anders ist und wundervoll und magisch. Und so weiter für alle anderen Genres.

Wenn du es nicht schaffst, diese Emotionen in deinem Leser zu erzeugen, dann hast du versagt. Wenn du es aber doch schaffst, diese Emotionen in deinem Leser zu erzeugen, dann hast du gewonnen. Je besser du die gewünschte emotionale Erfahrung in deinem Leser erzeugst, desto besser ist deine Geschichte. Perfektion beim Schreiben kommt, wenn du die bestmögliche emotionale Erfahrung für deinen Leser kreierst.

Die äußere Struktur der Szene

Die äußere Struktur einer Szene ist sehr einfach. Du kannst aus zwei möglichen Strukturen wählen. Dwight Swain nennt die beiden Möglichkeiten “Szenen” und “Sequenzen”. Das ist enorm verwirrend, weil beides vom normal Sterblichen als Szene bezeichnet wird. [Anmerkung des Übersetzers: Hier erklärt R.I., dass er den Unterschied durch Groß- und Kleinschreibung hervorheben will, das macht im Deutschen keinen Sinn. Deshalb werde ich im Folgenden, immer wenn Swains Begrifflichkeiten gemeint sind, die englischen Begriffe Scenes und Sequels benutzen. Das deutsche Wort "Szene" verwende ich, wenn es sich um die gewöhnliche Szene im nicht-Swainschen-Sinne handelt.] Weil du außergewöhnlich brillant und scharfsinnig bist, wird dir das keine Probleme bereiten. Lass mich dir vorab die Hauptpunkte von Scenes und Sequels aufzeigen.

Eine Scene hat folgendes dreiteiliges Muster:

  1. Ziel
  2. Konflikt
  3. Desaster

Eine Sequel hat folgendes dreiteiliges Muster:

  1. Reaktion
  2. Dilemma
  3. Entscheidung

Vielleicht denkst du, diese Muster seien zu schlicht.Vielleicht denkst du, das würde das Schreiben auf “malen nach Zahlen” reduzieren. Tja, nein. Das reduziert Fiktion auf die Muster, die sich bei Tausenden von Schriftstellern bewährt haben. Es gibt viele andere Muster, die von Leuten benutzt werden. Normalerweise funktionieren sie weniger gut. Es mag sein, dass es andere Muster gibt, die besser funktionieren. Wenn du eins findest, das besser funktioniert, bitte teil es mir mit. Aber für jetzt, lass uns so tun, als hätte Dwight Swain recht. Lass uns so tun, als wären dies die absolut bestmöglichen Muster um Fiktion zu schreiben. Lass uns so tun, als wären dies die Schlüssel um eine perfekte Szene zu schreiben. Lass uns fortfahren und jeden dieser Punkte im Detail betrachten.

Wie wir gesagt haben, die Scene hat drei Teile: Ziel, Konflikt und Desaster. Jeder dieser Teile ist äußerst wichtig. Ich werde jeden dieser Teile definieren und dann erklären, warum jeder entscheidend für die Struktur der Scene ist. Ich nehme an, dass du dir einen Charakter ausgesucht hast, aus dessen Sicht (Point of View) du die Geschichte schreiben möchtest. Im Folgenden werde ich diesen Charakter als deinen POV Charakter bezeichnen. Dein Ziel ist es, deinen POV Charakter die Szene überzeugend erleben zu lassen. Du musst das so wortgewaltig hinbekommen, dass dein Leser die Szene erlebt, als wäre er selber der POV Charakter.

  1. Ziel: Ein Ziel ist, was der POV Charakter am Anfang der Szene (erreichen) möchte. Das Ziel muss spezifisch sein und klar definierbar. Der Grund, weshalb dein POV Charakter ein Ziel haben muss ist, dass es deinen Charakter in die Initiative zwingt. Dein Charakter wartet nicht passiv darauf, dass das Universum für ihn die Welt rettet. Dein Charakter versucht aktiv zu bekommen, was er möchte, genauso, wie dein Leser das gerne selber tun würde. Es ist ein simpler Fakt, dass jeder Charakter, der irgendetwas verzweifelt möchte, auch ein interessanter Charakter ist. Selbst wenn er nicht nett ist, ist er immer noch interessant. Und dein Leser wird sich mit ihm identifizieren. Das ist es, was du als Schriftsteller willst.
  2. Konflikt: Der Konflikt ist eine Serie von Hindernissen, die dein Charakter überwinden muss, um sein Ziel zu erreichen.  Du musst Konflikt in deiner Scene haben! Wenn dein POV Charakter sein Ziel ohne Konflikt erreicht, dann langweilt sich dein Leser. Dein Leser möchte Anstrengung und Schweiß sehen! Kein Sieg hat einen Wert, wenn man ihn zu leicht erringt. Also lass deinen POV Charakter schwitzen und dein Leser wird diese Anstrengung miterleben.
  3. Desaster: Ein Desaster ist, wenn dein POV Charakter sein Ziel nicht erreicht. Gib ihm sein Ziel nicht! Gewinnen ist langweilig! Wenn eine Scene mit einem Sieg endet, wird dein Leser keinen Grund haben umzublättern. Wenn die Dinge gut laufen, kann dein Leser auch ins Bett gehen. Nein! Lass etwas Schreckliches passieren. Lass deinen POV Charakter von einem Kliff baumeln [Anm. des Übersetzers: englisches Wortspiel mit dem Begriff "Cliffhanger"] und dein Leser wird umblättern, um zu sehen, was als Nächstes passiert.

Das ist alles! Es gibt buchstäblich nichts weiter, was du über Scenes wissen musst. Jetzt lass uns anschauen, was Sequels sind.

Die Sequel hat drei Teile: Reaktion, Dilemma und Entscheidung. Wieder ist jeder dieser Teile entscheidend für den Erfolg der Sequel. Lass einen Teil davon weg und die Sequel wird nicht funktionieren. Lass mich noch einen wichtigen Punkt hinzufügen. Das Ziel einer Sequel ist es, auf eine Scene zu folgen. Eine Scene endet mit einem Desaster, und du kannst nicht sofort mit einer neuen Scene weitermachen, die mit einem Ziel beginnt. Warum? Wenn du gerade mit einem gravierenden Rückschlag konfrontiert wurdest, kannst du nicht einfach losstürmen und etwas Neues versuchen. Du musst dich erholen. Das ist elementare Psychologie.

  1. Reaktion: Eine Reaktion ist die emotionale Folge eines Desasters. Wenn etwas Schreckliches passiert, bist du eine Weile niedergeschmettert, aus dem Gleichgewicht, nicht in gutem Zustand. Du kannst nichts dagegen machen. Also zeig deinen POV Charakter, wie seine Eingeweide (sein Innerstes) auf dieses Desaster reagieren. Zeig, wie er leidet. Gib deinem Leser die Gelegenheit mit deinem Charakter mitzuleiden. Vielleicht musst du etwas Zeit vergehen lassen. Das ist keine Zeit für Aktion, es ist eine Zeit für Re-Aktion. Eine Zeit zu jammern und zu weinen. Aber du kannst nicht für immer im Schmerz zerfließen. Wenn Menschen das im wirklichen Leben machen, verlieren sie ihre Freunde. Wenn du das in deiner Geschichte machst, verlierst du deine Leser. Irgendwann muss dein POV Charakter sich wieder einkriegen. Eine Bestandsaufnahme machen. Nach Möglichkeiten Ausschau halten. Und das Problem ist, dass es keine gibt.
  2. Dilemma: Ein Dilemma ist eine Situation ohne gute Möglichkeiten. Wenn dein Desaster ein wirkliches Desaster wäre, dann gäbe es überhaupt keine gute Wahl. Dein POV Charakter muss in einem richtigen Dilemma stecken. Das gibt deinem Leser die Chance, sich mit ihm zu sorgen – das ist gut. Dein Leser muss sich fragen, was überhaupt als Nächstes geschehen kann. Lass deinen POV Charakter alle Möglichkeiten durchgehen. Lass ihn die Dinge ordnen. Lass ihn schließlich zu der am wenigsten schlechten Lösung kommen …
  3. Entscheidung: Eine Entscheidung ist ein Vorgang bei dem man eine Wahl zwischen mehreren Möglichkeiten trifft. Das ist wichtig, weil es deinen POV Charakter wieder aktiv werden lässt. Menschen, die niemals Entscheidungen treffen, sind langweilige Menschen. Sie warten herum, bis irgendjemand anders entscheidet. Und niemand möchte über so jemanden lesen. Also lass deinen Charakter entscheiden und lass es eine gute Entscheidung sein. Lass es eine Entscheidung sein, die dein Leser respektieren kann. Lass sie riskant sein, aber lass sie eine Chance haben zu funktionieren. Mach das und dein Leser wird umblättern müssen, weil dein Charakter jetzt ein neues Ziel hat.

Und nun haben wir einen vollen Kreis geschlossen. Du bist von einer Scene zu einer Sequel gekommen und zurück zu einem Ziel für eine neue Scene. Das ist der Grund, warum das Scene-Sequel Muster so mächtig ist. Eine Scene führt ganz natürlich zu einer Sequel, die ganz natürlich zu einer neuen Scene führt. Und immer so weiter. An einem Punkt wirst du den Zyklus beenden. Du wirst deinem POV Charakter entweder den ultimativen Sieg oder die ultimative Niederlage geben und das wird das Ende deines Buches sein. Aber bis du dahin kommst, wird dich das alternierende Muster von Scene und Sequel immer weiterführen. Und dein Leser wird dich verfluchen, wenn er bemerkt, dass er die ganze verdammte Nacht damit zugebracht hat dein Buch zu lesen, weil er das Ding einfach nicht weglegen konnte.

Das ist Perfektion.

Wie auch immer, das ist nur die eine Hälfte der Schlacht. Ich habe dir gesagt, wie du Scenes und Sequels in ihrer äußeren Struktur designen kannst. Aber du musst sie immer noch schreiben.

Wie das geht, erfährst du im zweiten Teil.

Diskussion

Was hältst du bisher von dem Artikel? Wie findest du die Unterteilung in Sequel und Scene? Denkst du diese äußere Struktur kann funktionieren? Ist diese Art zu Schreiben etwas für dich? Wirst du weiter lesen und warum (nicht)?

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Wie man einen verdammt guten Roman schreibt – James N. Frey

22. März 2011, Kategorie: Buchbesprechung

Heute eine kleine Rezension, um ein Buch zum Thema “Plotten und Schreiben” vorzustellen.

Fakten

Autor: James N. Frey
Titel: Wie man einen verdammt guten Roman schreibt
Verlag: Emons
Kosten: 16,80 €
Seiten: 200
Bewertung: 3 von 5 Sternen [?]

Erwartungen

Ich weiß gar nicht mehr so genau, was es gewesen ist, das ich erwartet habe, als ich dieses Buch zum ersten Mal las. Ich glaube es war eben ein Schreibratgeber, in dem die Geheimnisse eines Bestsellers gelüftet werden. Eigentlich hätte ich mir denken müssen, dass das utopische Erwartungen sind. Trotzdem war die Hoffnung da, und das ist auch der Grund, warum ich nach dem ersten Lesen sehr enttäuscht war.

Beim zweiten Lesen hatte ich dann so eine schlechte Erinnerung an das Buch, dass sämtliche Erwartungen übertroffen wurden und ich richtiggehend begeistert war :D

Inhalt

Hier die Inhaltsangabe und ein paar kurze Erläuterungen von mir:

  1. Worauf alles ankommt, ist “wer”: abgerundete Figuren erschaffen, Charaktere agieren an ihrem Maximum, der “würde er wirklich”-Test.
  2. Die drei wichtigsten Regeln für eine spannende Geschichte: Konflikt! Konflikt! Konflikt! Ebenbürtige Gegner, Schmelztiegel erschaffen, innerer Konflikt, Konfliktentwicklung.
  3. Die Tyrannei der Prämisse oder: Eine Geschichte ohne eine Prämisse zu schreiben ist, als wollte man ein Boot ohne Riemen rudern Ausgangssituation, Konflikt und Lösung festlegen.
  4. Das ABC des Erzählens: Vor dem eigentlichen Anfang anfangen, Stufendiagramm (Plot) anlegen.
  5. Die Steigerung zum Höhepunkt oder: Die Prämisse wird einer Bewährungsprobe ausgesetzt Konflikte befriedigend auflösen, Überraschungen suchen, starke Gefühle ausnutzen, poetische Gerechtigkeit.
  6. Erzählperspektive, Rückblende und andere Raffinessen aus der Trickkiste des Romanautors: Mögliche Perspektiven erklärt, den richtigen Erzähler wählen, chronologisch bleiben, Vorausdeutung eines Konflikts, Lebenssymbole.
  7. Die hohe Kunst, gute Dialoge und sinnliche, dramatische Prosa zu schreiben: Jede Zeile sollte konfliktreich, gerne indirekt, so geistreich und farbig wie möglich sein.
  8. Überarbeiten und umschreiben: die letzten Qualen sei spezifisch, sprich alle Sinne an, sei ein Dichter, finde Probeleser, Autorengruppen und Selbstanalyse.
  9. Zen und die Kunst des Romanschreibens: Tu es nur, wenn dein Herzblut daran hängt, und bleib am Ball, lass dich nicht unterkriegen.

Wer eine Anleitung zu einem “tiefgründigen Roman” oder zu “wahrer Literatur” erwartet, wird enttäuscht werden. Hier geht es wirklich um das Schreiben eines “verdammt guten Romans” im Sinne von “einem Roman, der sich gut verkaufen lässt“.

Der erste Teil über die Charaktere ist wirklich super. Er gibt interessante Anregungen und das Beispiel ist gut ausgearbeitet. Zwar handelt es sich um einen Detektiv, aber selbst wenn du nicht vor hast einen Krimi zu schreiben, ist es mehr als nützlich.

Figuren, die angesichts des Dilemmas, vor dem sie stehen, wie gelähmt sind, Waschlappen, die Konflikten aus dem Weg gehen, sich zurückziehen und leiden, ohne zu kämpfen, sind für Sie nicht brauchbar. Das sind statische Figuren, und die meisten von ihnen sollte ein früher Tod dahinraffen, bevor sie die Gelegenheit haben, auf den Seiten Ihres Romans aufzutauchen und alles zu verderben.
(Wie man einen verdammt guten Roman schreibt S. 22 von James N. Frey)

Auch das Kapitel über den Konflikt ist spannend und vor allem sehr erhellend.

Sie sollten immer auf der Suche nach Hindernissen für Ihre Figuren sein.
(Wie man einen verdammt guten Roman schreibt S. 30 von James N. Frey)

Aber dann kommt das Kapitel über die Prämisse und mit diesem Konzept hatte ich lange große Schwierigkeiten. Nicht zuletzt, weil die Beispiele teilweise völlig unpassend, manchmal sogar richtig verwirrend sind. Gerade wenn ich dachte, dass ich es jetzt endlich verstanden habe, kam wieder ein Beispiel oder auch ein “erklärender Satz” und schon stand ich wieder am Anfang. Erst beim zweiten (oder dritten) sehr, sehr geduldigen Lesen und mit viel Mut zur eigenen Meinung, habe ich schließlich verstanden, dass die Prämisse eigentlich “nur” das Niederschreiben vom Grundkonflikt und seiner Lösung ist.

Herr Frey hat das einmal so ausgedrückt:

Die Prämisse einer Geschichte ist einfach eine Feststellung dessen, was mit den Figuren als Ergebnis des zentralen Konflikts der Geschichte passiert.
(Wie man einen verdammt guten Roman schreibt von James N. Frey)

Den Gedanken musst du festhalten und darfst dich dann nicht mehr beirren lassen ^^ Ganz zufällig bin ich, kurz, nachdem ich es endlich selber kapiert habe, auch über diesen Blog gestolpert, wo das Thema noch einmal ausführlich (und ohne Zwang) beleuchtet wird.

Ob man nun vor dem Anfang anfangen muss (Kapitel 4) und ob es wirklich nur eine einzige Erzählperspektive gibt, die man benutzen sollte (Kapitel 6), sei jetzt mal dahingestellt und ist sicher diskussionswürdig. Aber Kapitel 5 (Lösung/Ende) und 7 (Dialoge) bergen wieder viele gute Tipps für den Alltag eines Schriftstellers.

Kapitel 8 (Korrektur) finde ich (wie in den meisten Schreibratgebern) ein wenig mau. Der Ratschlag Such dir Probeleser” (der den größten Teil des Kapitels ausmacht) ist zwar leicht gesagt und mit den vielen guten Schreibforen, die es mittlerweile online gibt sogar nur einen Mausklick entfernt. Aber für diejenigen unter uns, die den persönlichen Kontakt bevorzugen, bleibt das häufig eine unlösbare Aufgabe.

Super dagegen ist das Ende des Kapitels, wo in einer Liste die Dinge zusammengefasst sind, die du für den eigenen Text überprüfen solltest (z.B. “Haben Sie Ihre Figuren mit sich entwickelnden Konflikten konfrontiert?“). Diese Zusammenstellung finde ich sehr hilfreich, obwohl sie meiner Meinung nach gerne etwas ausführlicher und vor allem übersichtlicher hätte sein dürfen.

Vom letzten Kapitel hätte ich mir dann doch etwas mehr erwartet. “Zen und die Kunst des Romanschreibens” klingt sehr vielversprechend. Im Endeffekt sagt er aber nur, dass du nur schreiben sollst, wenn es dir wirklich etwas bedeutet und dass du nicht aufgeben sollst, auch wenn es noch so hart ist. Sozusagen noch mal ein Motivationskick am Ende ^^

Leser-Eindruck

Es lässt sich relativ flüssig lesen, für meinen Geschmack fehlt aber ein bisschen Witz und ein wenig die Lockerheit, die englischen Ratgebern sonst gerne anhaftet. Wahrscheinlich ist es gerade das, was mir den Eindruck vermittelt, dass sich Herr Frey gelegentlich ein wenig zu wichtig nimmt (kann also durchaus einfach an mir liegen).

Außerdem sind einige der Beispiele sehr lang (manche habe ich deshalb einfach übersprungen) und manche verfehlen sogar ganz den Punkt (das mag allerdings auch an der Übersetzung liegen).

Aber alles in allem ist es gut gelungen und leicht verdaulich.

Bewertung

3 von 5 Sternen

Ich hab mich für 3 Sterne entschieden, weil ich beim ersten Mal eben zu viel, beim zweiten Mal zu wenig erwartet habe. Herr Frey macht seine Sache wirklich gut, geht viel in die Tiefe und gibt jede Menge Beispiele. Abzug gibt es für den Fakt, dass er manche Stellen eben doch nur recht oberflächlich betrachtet und für die gelegentlich nicht sehr treffenden Beispiele.

Fazit

Das Buch ist eigentlich für jeden geeignet. Vom Schreibanfänger bis zum Schreibratgeber-Vielleser, findet hier jeder sicher noch etwas, das sich verwerten lässt. Wenn ich es aber jemandem empfehlen würde, dann nicht als allererste Schreiblektüre. Herr Frey hat ein großes Ego, in manchen Dingen sicher zu Recht. Deshalb sollte der Leser schon ein gewisses Selbstbewusstsein mitbringen, um eben nicht alle Ratschläge unreflektiert anzunehmen, sondern sich eine eigene Meinung zu bilden (was natürlich auch heißen kann, den Rat anzunehmen ;) ).

Diskussion

Besitzt du das Buch? Hast du es schon gelesen? Wie hat es dir gefallen? Was fandest du gut/schlecht und warum? Würdest du es weiterempfehlen und wenn ja, wem? Würdest du es dir (wieder) kaufen?



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