Der Kampf: Gut gegen Böse

2 Jun

Gut gegen Böse

Der Kampf Gut gegen Böse lebt schon in den Geschichten, seit die Menschen begannen, sich im Schein des abendlichen Feuers Abenteuer zu erzählen. Riesige Monster werden von strahlenden Helden erlegt, garstige Vampire saugen das Leben aus wehrlosen Opfern, die skrupellose Fehde zwischen verfeindeten Familien treibt zwei Liebende in den Tod. Gut und Böse fesseln die Gedanken der Menschen noch heute, aber gibt es „Gut“ und „Böse“ überhaupt?

Was ist Gut und Böse eigentlich?

Gut ist, wenn ich selbstlos bin, gutmütig, sanft, fröhlich, großzügig. Böse ist, wenn ich skrupellos bin, aggressiv, laut, rachsüchtig, gewalttätig und wütend. Zumindest sind das die stereotypen Charaktereigenschaften, die Protagonist und Antagonist nur all zu gerne zugeschrieben werden.

Aber stimmt das?

Nehmen wir einen jungen Mann, der bei einem Überfall seine gesamte Familie verloren hat, dadurch hat er all die negativen Eigenschaften erworben, die ich eben aufgelistet habe. Er zieht jetzt los um diese Räuberbande zu stellen und sich an ihnen zu rächen, er möchte sie töten. In so einer Geschichte könnte der junge Mann durchaus als „der Gute“ dargestellt werden. Selbst das Töten der Räuberbande würde dem unter Umständen keinen Abbruch tun, weil er dadurch ja all die Menschen rettet, die sonst von den Räubern auf späteren Raubzügen getötet worden wären. Also ist der junge Mann der Gute und die Räuber sind die Bösen. Ist doch ganz eindeutig.

Sehen wir uns die Räuber etwas genauer an. Nach dem Ende des Krieges, bei dem ihr Land von einer fremden Armee erobert wurde, wurden sie aus ihren Häusern vertrieben. Sie waren gezwungen in den kargen Wäldern zu leben, bei Wind und Wetter. Dort gibt es aber längst nicht genug zu Essen für ihre Familien. Also ziehen sie in die Städte, überfallen die Häuser, die einstmals ihnen gehört haben, und scheuen auch nicht davor zurück, Bürger, die sich wehren wollen, zu töten. Denn sie wissen genau, wenn sie nicht genug zu Essen mit nach Hause bringen, dann sterben ihre Kinder.

Also sind die Räuber nicht die Bösen, die Bürger können auch nichts dafür, aber die Armee ist schuld, dass das Land überhaupt erobert wurde und jetzt diese Zustände herrschen. Also sind die Opfer und die Räuber die Guten und die Armee ist das Böse. Ist doch ganz eindeutig.

Sehen wir uns die Armee etwas genauer an. Sie stehen im Dienst eines grausamen Königs, wenn sie ihren Dienst nicht versehen, dann werden sie gefoltert und getötet. Tun sie aber was man von ihnen verlangt, dann leben ihre Familien in schönen Häusern, sie bekommen ausreichend Geld und müssen niemals hungern. Also tun sie, was man ihnen aufträgt, um die, die sie lieben, zu beschützen. Also sind die Opfer, die Räuber und die Armee sicher die Guten und der König ist der Böse. Ist doch ziemlich eindeutig.

Sehen wir uns den König etwas genauer an. Er hat selbst keine Familie, sein ganzes Leben widmet er seinem Volk und seinen Aufgaben als König. Die Grenzstreitigkeiten im Osten zehrten schon lange an den Nerven seines Volkes und kosteten jeden Tag Menschenleben. Dann brach auch noch eine Dürre über das Land herein und die Menschen hungerten. Also rief er eines Tages seine gesamte Armee zusammen und schickte sie in den Krieg, in einer großen, blutigen Schlacht eroberte er das Grenzland für sich. Sein Volk bekam Land zum Bebauen, Häuser zum Wohnen und durch das Ende der Grenzstreitigkeiten rettete er Hunderte von Leben. So wirklich „Böse“ ist der König also auch nicht.

Aber wer zum Geier ist dann der Böse?

Niemand.

Die Antwort ist genauso simpel, wie sie richtig ist. All diese Menschen, die wir gerade betrachtet haben, waren solange „Böse“ wie sie keinen Grund dafür hatten, dass zu tun, was sie taten. In dem Augenblick, wo sie einen (triftigen) Grund dazu hatten, jemanden zu berauben, jemanden zu töten, jemanden anzugreifen oder zu benutzen, waren sie plötzlich ganz normale Menschen, die ein Recht darauf haben ihre Lieben zu verteidigen.

Das heißt, „richtige Bösewichte“ gibt es nur solange, wie sie grundlos grausam sind.

Anmerkung zu den Beispielen, sie sind nicht bis ins letzte Detail ausgeklügelt und sollen nur eins zeigen: Es gibt für alles einen Grund.

Grundlos grausam = Böse?

Nein, auch das stimmt nicht. Denn „grundlos“ ist absolut Ansichtssache. Du würdest für die Liebe deines Lebens sterben, aber John Doe in Amerika wäre es ziemlich egal, ob deine große Liebe nun stirbt, er würde sie sofort gegen seine eigene Liebste, sein Haus, die Gesundheit seiner Kinder oder vielleicht sogar gegen eine Baseballkartensammlung eintauschen.

Mancher Japaner würde für seine Ehre sterben, manche Nonne für ihre Keuschheit. Ich habe von einem Stamm gehört, dessen Mitglieder es als Geste des Respekts empfindet ihre toten Kinder zu essen, würden sie das nicht tun, wäre das eine Verschwendung an ohnehin knapper Nahrung und sie würden es als schlimmste Beleidigung auffassen.

Jedem Menschen sind andere Dinge wichtig, jedes Volk hat andere Wertvorstellungen. Dazu kommt, dass diese Dinge niemals feststehen, sie ändern sich mit der Zeit genauso wie die Form der Kontinente und die Position der Sterne. Es gibt keinen Stillstand, keine feste Antwort.

Deshalb ist es einfach nur anmaßend zu behaupten, dass ich oder irgendwer die Wahrheit gepachtet hat und alleine weiß, was gut, wichtig und richtig ist. Es macht auch keinen Sinn, sich darüber zu streiten, weil alle recht haben und damit niemand recht hat.

Was lerne ich jetzt daraus?

Gut und Böse in dem Sinne gibt es nicht. Es gibt immer nur Menschen mit Zielen, Werten und Dingen, die sie beschützen. Denk daran, wenn du deine Geschichte schreibst. Jede Meinung hat ihre Ursache, jede Handlung ihren Grund.

Wenn du das beherzigst, wirst du kaum Gefahr laufen, in die so verführerische Falle der stereotypen Bösewichte zu tappen.

Diskussion

Was meinst du? Gibt es „Gut“ und „Böse„? Was sind deine „Bösewichte“ für Menschen? Was haben sie für Ziele und aus welchem Grund?

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