Kritik ertragen - Fällt es dir auch schwer?
16. Februar 2008; Kategorie Schreiben Lernen“Wie findest du das?” ein Satz den jeder Autor schon einmal gesagt hat.
Du legst dein Herzblut in eine Geschichte, füllst sie mit Charakteren, Details und Gefühl, überarbeitest sie zwanzig Mal im Schweiße deines Angesichts, und dann gibst du sie zu treuen Händen einem guten Freund zu lesen.
Willst du die Antwort wirklich wissen?
Wenn du ganz ehrlich bist, dann musst du diese Frage wohl mit “Nein” beantworten. Denn eigentlich hättest du am liebsten ein freudestrahlendes “Mein Gott ist das genial geschrieben!”
Hast du dich tatsächlich für einen Freund als Erstleser entschieden, dann wirst du wahrscheinlich sogar noch nicht Mal enttäuscht. Wenn dein Leser aber ehrlich ist, dann wird es Punkte geben die ihm nicht gefallen.
Wie sollst du damit umgehen?
Regel 1:
Halt den Mund und hör aufmerksam zu.
Das klingt vielleicht selbstverständlich, aber wie oft habe ich schon an mir selbst gesehen, dass sich schon nach dem ersten Punkt mein Ego einschaltet und sich eine Rechtfertigung überlegt. Dadurch verpasse ich aber all die anderen Punkte, die ich hätte mitbekommen sollen.
Eine Kritik ist immer nur so gut, wie die Person, die sie entgegennimmt. Die beste Kritik der Welt wird dich um keinen Zentimeter weiterbringen, wenn du nicht genau zugehört hast.
Regel 2:
Rechtfertige dich nicht!
Das klingt wie die erste Regel und in der Tat sind sie sich sehr ähnlich. Das kommt daher, dass die erste Regel so unglaublich wichtig ist. Regel 2 ist aber darauf ausgelegt, dass du dich niemals rechtfertigen sollst.
Nein, auch dann nicht, wenn dein Gegenüber mit seiner Kritik fertig ist. Denn, deinem Kritiker ist es egal ob du das mitten in der Nacht geschrieben hast, oder ob du noch keine Lust hattest eine Rechtschreibprüfung drüber laufen zu lassen. Er ist in diesem Punkt genau wie ein ganz normaler Leser und eben das ist ja sein Vorteil, der Grund, warum du ihn gebeten hast sich das anzuschauen.
Wenn du dich rechtfertigst wirst du ihn im besten Fall als Probeleser verlieren, im Schlimmsten wird er beleidigt sein. Also halt den Mund und hör ihm wirklich aufmerksam zu.
Regel 3:
Lerne daraus.
Egal wie unhöflich die Kritik formuliert ist (je geneigter der Leser, desto eher wirst du etwas damit anfangen können): Versuche aus jedem Satz etwas zu lernen. Saug die Kritik in dich auf und wandele sie in Fortschritt um.
Wenn du eine Geschichte 50 verschiedenen Leuten zu lesen gibst, wirst du 50 unterschiedliche Kritiken bekommen. Was dem Einen gefällt kann den Anderen vor den Kopf stoßen. Es geht also nicht darum wirklich alles genau so zu ändern, bis es diesem einen Leser gefällt. Es geht zunächst darum heraus zu finden was alles geändert werden “könnte“.
Dann, wenn du ein paar dutzend Kritiken hast, kannst du leicht einen Konsenz heraus filtern und dadurch lernen was geändert werden “muss“.
Der nächste Entwurf
Damit ist die Geschichte natürlich noch nicht fertig. Jetzt kommt der nächste Entwurf, das nächste Probelesen und dann fängt alles wieder von vorne an. So lange bis der Konsenz aller Kritiken lautet “okaay … kannst du so lassen“.
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